Oberbürgermeister Jochen Partsch würdigt die Verdienste von Gabriella Deppert


14. September 2016 - 07:02 | von | Kategorie: Kultur | Artikel drucken
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Nach dem Tod der ehemaligen Vorsitzenden der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Darmstadt, Gabriella Deppert, am Freitag (09.09.16) hat Oberbürgermeister Jochen Partsch die Verdienste Depperts für die Stadtgesellschaft gewürdigt und der Familie sein Beileid in dieser für sie schwierigen Zeit ausgesprochen.

„Die Nachricht vom Tod Gabriella Depperts hat mich erreicht und sehr betrübt. Mit Gabriella Deppert verliert Darmstadt eine wichtige Fürsprecherin für Versöhnung und Toleranz in unserer Stadt. Gabriella Deppert war eine engagierte Bürgerin, die es als ihre vornehmliche Aufgabe ansah, sich für ein geschwisterliches Zusammenleben aller Menschen ohne Unterschied der Nation, des Glaubens oder der Herkunft einzusetzen, für ein besseres Verständnis und für die Aussöhnung von Juden und Christen einzutreten und gegen ideologischen Fanatismus, religiöse Intoleranz, Rassendiskriminierung, soziale Unterdrückung, politische Unduldsamkeit und nationale Überheblichkeit  zu kämpfen. Mit ihrem Engagement für die Gedenkstätte Liberale Synagoge oder die Betreuung der Alexander-Haas-Bibliothek hat Gabriella Deppert bewiesen, dass Dialog, Toleranz und Versöhnung gelingen können. Wir Darmstädter werden die Leistungen Gabriella Depperts nicht vergessen. Ihrer Familie wünsche ich viel Kraft in dieser schwierigen Zeit“, so der Oberbürgermeister.

Gabriella Deppert wurde am 4. Dezember 1935 in Rom (Italien) geboren. Sie absolvierte nach ihrem Abitur ein Lehramt-Studium mit den Fächern Anglistik sowie Romanistik und trat dann den Schuldienst an. Nach der Geburt ihrer beiden Söhne mit Mann und Schriftsteller Fritz Deppert beendete sie ihre Lehrlaufbahn.

Ab 1987 engagierte sich Gabriella Deppert ehrenamtlich als geschäftsführende Vorsitzende der Darmstädter Sektion der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Durch die Organisation von Veranstaltungen, Konzerten und Lesungen gelang es ihr, den Kontakt zwischen jüdischen und nicht jüdischen Bürgerinnen und Bürgern zu fördern und das Interesse zu wecken, die Jüdische Gemeinde Darmstadt näher kennen zu lernen. Eine weitere wichtige Aufgabe Gabriella Deppert bei der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit bestand darin, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehende Alexander-Haas-Bibliothek, die ein breites Spektrum zu christlich-jüdischen und auch zu muslimischen Themen bereit hält, zu betreuen, die Werke zu katalogisieren und die Anbindung der Bibliothek an das städtische Bibliothekssystem voranzutreiben.

Als in Darmstadt 1988 eine neue Synagoge errichtet wurde, nahm Gabriella Deppert auch Kontakt zu den ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Darmstadt auf und schlug dauerhafte und wichtige Brücken, aus denen im Laufe der Jahre auch etliche Freundschaften entstanden sind. Für die Bauarbeiten an den Überresten der Gedenkstätte Liberale Synagoge Darmstadt auf dem heutigen Gelände des Klinikums Darmstadt ermöglichte sie mit Hilfe der Kampagne „Wir brauchen einen Erinnerungsort Liberale Synagoge Darmstadt“ und einem Klezmer-Konzert im Staatstheater Darmstadt die Mitfinanzierung der Innenausstattung. Durch ihre Mitgliedschaft (ab 2001) bei der Initiative „Denkzeichen Güterbahnhof“ konnte eine Gedenkstätte an dem Platz eingeweiht werden, vom dem aus 1942/43 Juden aus Darmstadt und dem Umland deportiert wurden.

Eine weitere Initiative von Gabriella Deppert bestand darin, die 1906 von dem Darmstädter Architekten Georg Wickop geschaffene Orthodoxe Synagoge in der Bleichstraße durch Spendengelder virtuell via Computersimulation rekonstruieren zu lassen. Das Video wurde dann für Unterrichtszwecke kostenlos an Schulen verteilt. Schüler und Lehrer hat Gabriella Deppert mit der Organisation „Gesicht zeigen!“ besucht und vor Ort Gespräche zum Thema antisemitische Verhaltensweisen und Fremdenhass geführt.

Ende 2010 hat Gabriella Deppert ihr Amt als Geschäftsführerin der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Darmstadt niedergelegt. Bis dahin hatte sie sich mehr als 20 Jahre lang in diesem Ehrenamt, neben weiteren ehrenamtlichen Tätigkeitsfeldern, für die Ziele der Gesellschaft eingesetzt und bleibende Verdienste um das Gemeinwohl der Stadt erworben. Ihr Einsatz war immer verbunden mit großer Eloquenz, menschlicher Wärme und einer ausgeprägten Menschenfreundlichkeit. Für ihre Dienste wurde sie  mit der Freundschaftsplakette der Stadt Darmstadt (1993), der Ehrenurkunde für verdiente Bürger (2004), dem Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2005) und der Bronzenen Verdienstplakette der Stadt Darmstadt (2010) ausgezeichnet.

Quelle: Pressestelle der Wissenschaftsstadt Darmstadt

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