Zweite Planungswerkstatt Konversion am 11. und 12. Februar 2011 beweist neue Qualität der Beteiligung von Bürgern bei einer großen Planungsaufgabe


14. Februar 2011 - 13:38 | von | Kategorie: Pressemitteilung | Artikel drucken
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Nachdem Darmstädter Bürger Ende August 2010 in einer ersten großen Veranstaltung Anregungen und Wünsche zur Entwicklung der Konversionsflächen zwischen Bessungen und Eberstadt eingebracht hatten, gab es am letzten Wochenende auf Einladung von Oberbürgermeister Walter Hoffmann, Bau- und Planungsdezernent Dieter Wenzel sowie Sozial- und Wohnungsdezernent Jochen Partsch die Zweite Planungswerkstatt Konversion.

Themen waren der Entwurfsstand der Rahmenplanung und die gemeinsame Vorbereitung von Qualitätskriterien für den städtebaulichen und freiraumplanerischen Wettbewerb für die Cambrai-Fritsch-Kaserne und der Jefferson-Siedlung.

Mit dem Hinweis „Heute ist die Stunde der Bürgerschaft“, hatte Oberbürgermeister Hoffmann die Werkstatt eröffnet. Gemeinsam leiten Hoffmann, Wenzel und Partsch in ihrem Resümee daraus den Leitsatz ab: „Wenn man sich in der Lage zeigt, Beteiligung in der Planung wirklich zuzulassen, zu begleiten und zu fördern, dann ist die Stunde der Bürgerschaft genauso eine Stunde der Politik“.

Dem schließt sich Claus Niebelschütz von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) an: „Auch nach der Zweiten Planungswerkstatt sind wir weiterhin der Meinung, dass der Weg der Bürgerbeteiligung, den wir gemeinsam mit der Stadt Darmstadt eingeschlagen haben, richtig und zukunftsweisend ist. Für uns als Eigentümerin der Flächen ist der Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern als zukünftige Nutzer sehr positiv.“

Dass die Abwägung von Eigentümerinteressen mit den Zielen einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung im Konversionsprozess eine Daueraufgabe darstellt, wollen die Akteure jedoch nicht verleugnen. „Wir legen großen Wert auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Stadt Darmstadt. Allerdings haben wir auch unterschiedliche Rollen und Interessen zu vertreten. Dabei ist es naturgemäß so, dass wir nicht bei jeder Fragestellung von vorneherein gleicher Meinung sind. Als Beispiel will ich hier den Umgang mit Bestandsgebäuden nennen. Aber auch hier werden wir einen gemeinsamen Weg suchen.“

Dem schließt sich Planungsdezernent Dieter Wenzel für die Stadt an: „Wir gehen im Konversionsprozess in der Kooperation neue Wege. Für uns stehen die Gestaltung des Wachstums unserer Stadt und die Schaffung von Wohnraum für die Bevölkerung an wichtigster Stelle. Diese Ziele wollen wir nach Möglichkeit mit der BImA und nicht gegen den Eigentümer verwirklichen.“

Für die rund 200 Teilnehmer der Zweiten Planungswerkstatt Konversion war vor diesem Hintergrund besonders interessant, dass Niebelschütz im Plenum betonte, dass die häufig geschürte Angst vor „Immobilien-Heuschrecken“ wenig begründet sei, da Flächen mit hohem Bedarf an Um- und Neubaumaßnahmen für Akteure ohne langfristiges Interesse an einem Standort nicht wirtschaftlich attraktiv seien.

Der Rahmenplanentwurf selbst wurde von den Teilnehmern der Planungswerkstatt begrüßt. Bei allen Detailfragen war die Zufriedenheit zu spüren, dass die Anregungen der Ersten Planungswerkstatt integriert worden waren. Dazu zählen etwa die Idee einer Verlängerung der Straßenbahnlinie 3, die Vernetzung der Quartiere durch Grün- und Wegeverbindungen, eine nicht zu hohe Dichte der Bebauung in der Cambrai-Fritsch-Kaserne bei gleichzeitiger Verwirklichung verschiedener Bautypen, die soziale Durchmischung und Schaffung von bezahlbarem Wohnraum vor allem in der Lincoln-Siedlung, die Anbindung der zukünftigen Grundschule an den ÖPNV, aber auch der Schutz der neuen Wohnquartiere und der bestehenden Nachbarschaften – etwa an der Heinrich-Delp-Straße – vor Durchgangsverkehr.

„Unsere bisherige Planung ist innovativ und mutig genug, viele unterschiedliche soziale Gruppen aus sämtlichen Lebensabschnitten mitzunehmen. Wir schließen niemanden aus. Vielmehr soll hier Inklusion in der konkreten Stadtentwicklung ankommen. Dabei werde ich darauf hinwirken, dass Einrichtungen und Angebote für Kinder und Jugendliche gerade in der Lincoln-Siedlung eine große Rolle spiele. Gleiches gilt für Belange und Bedürfnisse der Älteren,“ zieht Sozial- und Wohnungsdezernent Partsch ein Fazit der Veranstaltung.

Dies bestätigt Oberbürgermeister Hoffmann aus seinem Blickwinkel: „Die Vielfalt der Stadtgesellschaft wird sich in einer Vielfalt der Bau-, Wohn- und Lebensformen auf den Konversionsflächen abzeichnen. Vom freistehenden Einfamilienhaus bis zum Geschosswohnungsbau und von der Wohngruppe bis zum Singlehaushalt werden alle Bedürfnislagen zu ihrem Recht kommen. Darüber entscheidet nicht Dogmatismus, sondern die tatsächliche Nachfrage in unserer Stadt, die wir mit dem Gutachten des Instituts Wohnen und Umwelt zum Wohnungsmarkt, aber auch mit den Planungswerkstätten klar erkennen können.

Bau- und Planungsdezernent Wenzel richtet den Blick über die aktuelle Werkstatt hinaus: „Wir freuen uns schon heute auf die dritte und vierte Planungswerkstatt, die sich mit dem städtebaulichen Wettbewerb für die Cambrai-Fritsch-Kaserne und die Jefferson-Siedlung befassen wird. Wir nehmen die Anregung vom Wochenende auf und werden einige Vertreterinnen und Vertreter aus der Planungswerkstatt in das Sachpreisgericht des Wettbewerbs als Bürgerschaftsvertreter einladen.“ Auch für die Lincoln-Siedlung sei die Partizipation natürlich nicht abgeschlossen, man plane bereits Informationsveranstaltungen zu Spezialthemen wir der Quartierparkgestaltung und dem Verkehrskonzept in der Siedlung.

Quelle: Pressestelle der Wissenschftsstadt Darmstadt

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