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Verkehrsversuche: Evaluation und planerische Verstetigung


13. September 2021 - 07:01 | von | Kategorie: Verkehr |
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In seiner Sitzung am 8. September 2021 hat sich der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt mit den Verkehrsversuchen befasst, die von August bis Dezember 2020 an vier Straßenabschnitten am Roßdörfer Platz, am Steubenplatz, in der Neckarstraße und in der Zeughausstraße eingerichtet wurden, und den entsprechenden Ergebnisbericht der Hochschule Darmstadt zur Kenntnis genommen.

„Bei den Verkehrsversuchen haben wir auf relevanten und bislang für die Nahmobilität mangelhaft ausgestatteten Straßenabschnitten regelkonforme Radverkehrsanlagen gemäß der beschlossenen Radstrategie markiert. Ziel war es, neben der Attraktivitätssteigerung für die Radmobilität, die allgemeine Verkehrssicherheit zu verbessern und zu überprüfen, welche Auswirkungen sich durch die Neuaufteilung des Straßenraums für alle Verkehrsteilnehmenden ergeben. Die Verkehrsversuche wurden durch die Hochschule Darmstadt, Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwesen, wissenschaftlich begleitet. Im Mittelpunkt standen dabei die Überprüfung und Beurteilung von lokalen verkehrlichen Auswirkungen, die Beurteilung der Verkehrssicherheit und -qualität wie auch Empfehlungen für den weiteren Umgang beziehungsweise gegebenenfalls notwendige Anpassungen bei den Verkehrsversuchen“, erläutert Oberbürgermeister Jochen Partsch.

„Im Gesamtergebnis empfiehlt die Hochschule die dauerhafte Verstetigung der Verkehrsversuche mit Anpassungen und Ergänzungen, da die neuen Verkehrsführungen die Attraktivität und Sicherheit des Fuß- und Radverkehrs verbessern und bestehende Mängel im Verkehrsnetz beheben können. Damit bestätigt das Ergebnis unsere vorangegangenen Überlegungen und wir beginnen nun, die temporären Maßnahmen Schritt für Schritt in dauerhafte Lösungen umzusetzen. In Summe erreichen wir auf diesem Wege einen weiteren Meilenstein für mehr Flächengerechtigkeit zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern in unserer Stadt und eine echte Stärkung des Radverkehrs als Teil des Umweltverbundes“, ergänzt Verkehrsdezernent Michael Kolmer.

Für die unterschiedlichen Bereiche von Verkehrsteilnehmern sind im Rahmen der Verkehrsversuche folgende Schlussfolgerungen gezogen worden:

Für den Kfz-Verkehr konnte kein kritischer Rückstau beobachtet werden, der die Verkehrssicherheit gefährdete oder auf besonders schlechte Qualitätsstufen im Kfz-Verkehr schließen lässt. Für Einsatz- und Rettungsfahrzeuge konnten durch die Verkehrsversuche keine Einschränkungen beobachtet werden. Neben dem Radverkehr haben die Verkehrsversuche auch einen positiven Effekt auf den Fußverkehr, da durch die Verlegung des Radverkehrs auf die Fahrbahn die Seitenräume nun vollflächig für den Fußverkehr zur Verfügung stehen. Die erwünschte Zunahme des Radverkehrs konnte vor allem auf dem längeren Abschnitt der Neckarstraße nachgewiesen werden. Aus der Nachher-Zählung ergibt sich ein deutlicher Zuwachs an Radverkehr gegenüber der Vorher-Zählung. Die Zahlen sind jedoch aufgrund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen bei der Vorher/Nachher-Zählung (Wetter, Jahreszeit, unterschiedliche Lage der Zählschleifen) zu interpretieren. Die Fachverwaltung geht von einer Zunahme des Radverkehrs von 20 bis 40 Prozent aus.

Die Anpassungen und Ergänzungen sind je nach Verkehrsversuch entsprechend umfangreich und werden nachfolgend einzeln dargestellt:

Steubenplatz
Die Hochschule empfiehlt im Zuge der dauerhaften Verstetigung Nachbesserungen, um das weiterhin zu beobachtende, aber per Beschilderung verbotene Rechts-Abbiegen des Kfz-Verkehrs zu verhindern und den Radverkehr mit zeitlichem Vorlauf in den Knotenpunkt abbiegen zu lassen. Auch werden Nachbesserungen für den Schutz des Radverkehrs auf dem sich dem Verkehrsversuch anschließenden Radstreifen in Mittellage empfohlen, da ein Großteil des Kfz-Verkehrs den Radstreifen quert, um in die Rheinstraße abzubiegen.

Roßdörfer Platz
Mit der Fortsetzung des Radstreifens über den Knotenpunkt hinaus wurde eine verkehrsrechtlich umstrittene Situation regelkonform gelöst. Aufgrund der klareren Verkehrsführung lässt sich auch ein signifikanter Rückgang von Kfz-Unfällen im Längsverkehr beobachten.

Zeughausstraße
In der Zeughausstraße konnten im Abschnitt vom darmstadtium bis zur Ausfahrt der Tiefgarage keine Konflikte festgestellt werden. Auch hier kann durch die stetigere Kfz-Verkehrsführung von einem Rückgang der Kfz-Unfälle im Längsverkehr ausgegangen werden.

Die Rückstaulängen an den Zuläufen (Alexanderstraße, Schloßgraben, Landgraf-Georg-Straße, Holzstraße) werden als unkritisch eingestuft. Vereinzelte längere Rückstaus sind lediglich „Am Schloßgraben“ zu beobachten, diese gab es jedoch auch vor der Einrichtung des Verkehrsversuchs und werden als für Großstädte in den Hauptverkehrszeiten übliche Verkehrsqualitäten gewertet.

Anhand der Vorher-Nachher-Zählungen zum Radverkehr lassen sich keine eindeutigen Aussagen zu einer Zunahme des Radverkehrs treffen.

Möglicherweise liegt dies auch an der weiteren Führung ab der Tiefgaragen-Ausfahrt und entlang des Mathildenplatzes. Hier konnte die Hochschule zahlreiche Konflikte beobachten, die sich vermutlich durch eine unklare Verkehrsführung – unübersichtliche Markierung und zum Teil irritierende Beschilderung –, eine zügige Kfz-Führung, die ohnehin komplexen Fahrbeziehungen mit Einfädelspuren, wiederholte Rechtsabbiege-Vorgänge und Parkplatzzufahrten mit Rangierfahrten ergeben. An komplexen Verkehrssituationen wie rund um den Mathildenplatz zeigen sich die Grenzen für die Eignung von Verkehrsversuchen.

Da im vorigen Bestand mit viel zu schmalem und nicht regelwerkskonformem Radstreifen und abrupt endender Radverkehrsanlage am Mathildenplatz erhebliche Mängel bestanden, wird der Verkehrsversuch in der Gesamtbilanz positiv bewertet.

Ziel sollte daher sein, die Verkehrsführung möglichst zeitnah eindeutiger zu gestalten. Die Verwaltung prüft daher alle möglichen und aufgrund der Rahmenbedingungen sinnvollen Verbesserungen und arbeitet diese in die jetzige Verkehrsführung ein. Die Verstetigung und Aufhebung temporärer gelber Markierungen werden aber erst nach dem Ende einer ab Frühjahr 2022 laufenden notwendigen Kanalbaumaßnahme im Bereich Paliplatz/Zeughausstraße ab Herbst 2022 möglich sein.

Neckarstraße
Auch hier zieht die Hochschule ein positives Fazit und sieht darüber hinaus weitere Potentiale für eine Fortführung der Radverkehrsanlagen über den Knotenpunkt Rheinstraße und für weitere Querungsstellen, beispielsweise in der Höhe der Adelungstraße.

Geringe Konflikte ergeben sich aus Sicht der Hochschule aus Lade- und Haltevorgängen, die zum Teil auf dem neuen Radstreifen stattfinden.

Die Zählungen des Fachamts können den Erfolg des Verkehrsversuchs ebenfalls belegen. Die Zunahme des Radverkehrs wird nach Analyse und Auswertung der Vorher-Nachher-Zählung auf 20 bis 40 Prozent geschätzt.

Auch der Kfz-Verkehr hat sich wie geplant zum Teil auf die parallele Verkehrsachse Donnersbergring/Hindenburgstraße verlagert. Die Zählwerte ergeben eine Reduzierung des Kfz-Verkehrs auf der Achse Neckarstraße/Heidelberger Straße von zum Teil über 30 Prozent. Gleichzeitig fällt der corona-bedingte Rückgang der Kfz-Verkehrsbelastungen in der Hindenburgstraße aufgrund der Verlagerungen aus der Neckarstraße/Heidelberger Straße deutlich geringer aus.

Im Rahmen der Verstetigung prüft die Verwaltung die Anpassungsvorschläge der Hochschule inklusive Nachbesserungen. Dies schließt auch die südliche Erweiterung bis Prinz-Emil-Garten ein. Dort befindet sich noch eine provisorische Markierung aus der Umbauzeit der Heidelberger Straße zwischen Hermannstraße und Heinrichstraße. Im südlich an den Verkehrsversuch anschließenden Abschnitt zwischen Heinrichstraße und Hermannstraße soll die einstreifige Kfz-Führung zugunsten einer möglichst freien ÖPNV-Führung in beide Fahrtrichtungen fortgesetzt werden und so ein einheitliches Bild der Achse Heidelberger Straße/Neckarstraße entstehen, das die Verkehrssicherheit insgesamt verbessert.

Einige Anregungen wie zum Beispiel zusätzliche Querungen, verbreiterte Fußverkehrsinseln oder Ausbaupotenziale an Haltestellen des ÖPNV durch Fahrstreifenreduzierung setzen allerdings längere Planungen und bauliche Anpassungen voraus, so dass hier gesonderte Beschlussvorlagen im Rahmen einer ,zweiten Ausbaustufe‘ vorgelegt werden.

„Finanziert durch das 4×4-Programm zur Radmobilität werden wir die Verkehrsversuche nun sukzessive in dauerhafte Lösungen überführen. Wie auch bei der Einrichtung der Verkehrsversuche im vergangenen Jahr sind die Anpassungen umfangreich und komplex. Aufgrund der notwendigen Planungen und Abstimmungen werden sich die Umsetzungen – voraussichtlich auch aufgrund der ab Dezember geltenden Winterpause für Markierungen – bis in den Frühsommer 2022 ziehen“, erläutert Verkehrsdezernent Kolmer das weitere Vorgehen.

Bis zu einer Umsetzung der finalen weißen Markierungen bleiben die jetzigen temporären Markierungen aus Gründen der Verkehrssicherheit und einer stetigen, verständlichen Verkehrsführung erhalten.

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