Zum Tod von Ritula Fränkel – Oberbürgermeister Jochen Partsch würdigt Künstlerin als herausragende Persönlichkeit der Darmstädter Kulturlandschaft


16. Januar 2015 - 14:46 | von | Kategorie: Kultur | Artikel drucken
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Nach dem Tod der international erfolgreichen Darmstädter Installationskünstlerin und Gestalterin des „Denkzeichen Güterbahnhof“, Ritula Fränkel, im Alter von 62 Jahren am Mittwoch (14.01.15), hat der Oberbürgermeister der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Jochen Partsch, die Leistungen der engagierten Künstlerin für das kulturelle Leben und interkulturelle Zusammenleben in der Stadt Darmstadt gewürdigt und der Familie sein Beileid ausgesprochen. „Mit Ritula Fränkel verlieren wir eine herausragende Künstlerin, die das Darmstädter Kulturleben in den vergangenen Jahren entscheidend mitgeprägt hat. Ihr Engagement für die Erinnerungskultur und für das jüdische Leben in Darmstadt war stets getragen von dem Wunsch der Verständigung und dem Anspruch des Lernens über historische Zusammenhänge. Ihre eindrucksvollen Arbeiten, allen voran das ‚Denkzeichen Güterbahnhof’, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Nicholas Morris umgesetzt hat, aber auch die Gestaltung des ‚Erinnerungsortes Liberale Synagoge Darmstadt’ sowie die Einrichtung des Museums in der Neuen Synagoge Darmstadt sind aus dem Darmstädter Kulturleben nicht wegzudenken und werden auch nach ihrem Tod ihre Botschaft weiter transportieren. Meine Gedanken sind in diesen schweren Tagen bei der Familie von Ritula Fränkel und ihrem Mann Nicholas Morris“, erklärte Oberbürgermeister Partsch.

Ritula Fränkel, Tochter von Johanna Fränkel vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Darmstadt und Josef Fränkel (gestorben 1994), der zusammen mit Alexander Haas die Jüdische Gemeinde Darmstadt nach dem Krieg wieder aufbaute, verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Darmstadt und lebte danach 22 Jahre in Jamaica. Im Jahr 2004 übernahm sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem aus Jamaica stammenden Künstler Nicholas Morris, die künstlerische Gestaltung und Umsetzung des „Denkzeichen Güterbahnhof“. Die gleichnamige Initiative hatte es sich zum Ziel gesetzt, auf dem der Deutsche Bahn AG gehörenden Gelände am Güterbahnhof Darmstadt einen Gedenkort zu schaffen, der an die Opfer des Holocaust erinnert, dem Juden, Sinti und Roma zum Opfer gefallen sind. Das Denkzeichen hat das folgende Konzept: An dem einen Ende zweier Schienenstränge, die mit Schotter ausgefüllt sind, steht ein verrosteter Prellbock, an dem anderen Ende ein Panzerglaskasten. Im Inneren des Panzerglaskastens befinden sich Glasscherben. Bevor die Künstler das Glas zerbrachen gravierten sie die Namen der Darmstädter Juden und Sinti ein, die 1942 und 1943 vom ehemaligen Güterbahnhof Darmstadt aus deportiert wurden. Leider wurde das Denkzeichen an seinem Standort an der Bismarckstraße mehrfach zerstört. Wegen der andauernden Bauarbeiten in der Bismarckstraße ist das Denkzeichen derzeit auf dem Gelände der Neuen Synagoge Darmstadt aufgestellt.

Darüber hinaus haben sich Ritula Fränkel und Nicholas Morris bereits in den Jahren 2001/2002 mit der in der Darmstädter Synagoge sowie der ehemaligen Synagoge Pfungstadt präsentierten Installation „Exodus“ einen Namen gemacht. Am 9. November 2009 wurde der Erinnerungsort Liberale Synagoge Darmstadt, sechs Jahre nach der Wiederentdeckung der Überreste, offiziell seiner Bestimmung übergeben. Entstanden ist ein würdiger und in seiner Art einzigartiger Erinnerungsort. Auch hier haben Ritula Fränkel und Nicholas Morris im Auftrag der Stadt Darmstadt, basierend auf der Grundkonzeption der Gedenkstätten-AG Runder Tisch, einen multimedialen Erinnerungs-Parcours aus mehreren Stationen geschaffen. So können die Besucherinnen und Besucher an Touchscreens viel über die Zeit des NS-Gewaltregimes erfahren, über Täter, Opfer, Zuschauer und Mitläufer, über bekannte Persönlichkeiten des Jüdischen Darmstadts wie Heinrich Blumenthal, Otto Wolfskehl oder Julius Goldstein, Karl Freund oder Julius Landsberger oder Nazi-Schergen wie Werner Best.

Auch das Museum in der Neuen Synagoge Darmstadt wurde von Ritula Fränkel eingerichtet. Sie verstand das Museum auch als Lernort, an dem die Geschichte der Juden in Darmstadt kennen gelernt werden kann, um jüdisches Leben nicht aus der Perspektive der „Opfersicht“ zu sehen und um Alltagsleben und jüdisches kulturelles Leben zu vermitteln.

Quelle: Pressestelle der Wissenschaftsstadt Darmstadt

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