Neues Preismodell für Fernwärme in Darmstadt – Kunden können mit deutlich niedrigeren Preisen rechnen


15. Februar 2013 - 10:27 | von | Kategorie: Info | Artikel drucken
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HSEDie Wissenschaftsstadt Darmstadt regelt die Wärmelieferverträge mit den Fernwärmekunden im Stadtgebiet neu. Ein entsprechender Magistratsbeschluss wurde am 13. Februar 2013 gefasst. Wesentliche Änderungen sind die Abkehr von der Ölpreisbindung und die Neujustierung von Grund- und Arbeitspreis. Unter dem Strich kann die überwiegende Mehrzahl der Kunden mit Preisnachlässen von durchschnittlich 9 bis 13 Prozent rechnen. Durch das neue Preismodell spart beispielsweise ein Besitzer eines Einfamilienhauses mit einer Anschlussleistung von 15 Kilowatt und einem Jahresverbrauch von 19.500 Kilowattstunden je nach Satzungsgebiet zwischen 230 und 360 Euro pro Jahr. Wirksam werden die neuen Verträge zum 1. Juni 2013 – die Preissenkung erfolgt rückwirkend zum 1. Juni 2012 beziehungsweise zum 1. Januar 2013. Betroffen davon sind rund 8.000 Haushalte, öffentliche Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Schulen und Bäder sowie gewerbliche Liegenschaften.

Der Grundpreis liegt derzeit im Satzungsgebiet Nord (Bürgerparkviertel) bei 3,59 Euro (brutto) – in den Satzungsgebieten Arheilgen, Kranichstein und Eberstadt beträgt er 12,19 Euro (brutto) pro Kilowattstunde und Jahr. Zukünftig sollen hierfür einheitlich 53,59 Euro (brutto) pro Kilowattstunde und Jahr fällig werden. Diese Erhöhung führt unter dem Strich jedoch zu keinem Anstieg der Jahreskosten, denn gleichzeitig sinkt der stärker ins Gewicht fallende Arbeitspreis für die Kilowattstunde um fast 37 Prozent. Statt bisher 13,73 Cent (brutto) werden zukünftig nur noch 8,67 (brutto) Cent pro Kilowattstunde fällig.

„Das neue Preismodell schafft Transparenz, wird der zunehmenden Entkoppelung des Heizöl- und des Wärmemarktes gerecht, berücksichtigt die aktuellen rechtlichen Vorgaben und beinhaltet eine ökologische Komponente. Außerdem vereinheitlichen wir zwei bisher unterschiedliche Preismodelle, so dass zukünftig in allen Satzungsgebieten die gleichen Regelungen gelten“, so Stadtkämmerer André Schellenberg.

Wesentliche Änderung des neuen Preismodells ist die Abkehr der bisherigen Koppelung des Wärmepreises an die Preisentwicklung von leichtem Heizöl. Diese Koppelung war in der Vergangenheit überall in der Bundesrepublik üblich. Das Heizöl war damit die Leitwährung im Energiemarkt. „Die Entwicklung der Erzeugungs- und Bereitstellungskosten bei der Fernwärme entkoppeln sich zunehmend von der Preisentwicklung des Heizöls. Das neue Preismodell trägt dem Rechnung und berücksichtigt stattdessen die tatsächliche Kostenentwicklung der Fernwärme sowie die jeweiligen Verhältnisse auf dem Wärmemarkt“, erläutert Schellenberg.

HSE-Vorstand Andreas Niedermaier weist in diesem Zusammenhang auf einen wichtigen juristischen Aspekt hin: „Das neue Preismodell orientiert sich an der aktuellen Rechtssprechung des Bundesgerichtshofes. Damit schaffen wir für die Zukunft Rechtssicherheit.“ Im neuen Preismodell wird auch das Verhältnis von Grundpreis und Arbeitspreis neu justiert. So spiegelt der neue Grundpreis die Investitionen sowie die Kosten für die Betriebsführung, Wartung und Instandhaltung wider. Der Arbeitspreis hingegen bildet die variablen, verbrauchsabhängigen Kosten ab. „Dadurch wird das neue Preismodell einfacher und transparenter“, betont Niedermaier.

Bei einzelnen Kunden mit einer ungünstigen Konstellation von hoher Anschlussleistung und geringem Verbrauch kann sich das neue Preismodell auch negativ auswirken. Für diese Kundengruppe hat die HSE eine Energieeffizienzanalyse durchgeführt und die Ergebnisse den Kunden mitgeteilt. Auf dieser Grundlage können die Kunden eine zu hohe Anschlussleistung korrigieren lassen. Auch Passivhäuser haben technisch bedingt eine im Vergleich zum Verbrauch hohe Anschlussleistung. Eine Absenkung der Anschlussleistung ist in diesen Fällen jedoch kaum möglich, da es sonst Probleme bei der Warmwasserbereitung geben kann. Deshalb erhalten Ein- und Zweifamilienhäuser, die den Passivhauskritierien entsprechen, eine Ökoprämie von 200 Euro pro Anschlussnehmer und Jahr.

Eine weitere Änderung betrifft den Abrechnungszeitraum. Auch hierbei gab es bislang zwei unterschiedliche Modelle. Ein Teil der Kunden wurde nach dem Kalenderjahr abgerechnet, ein anderer Teil erhielt die Abrechnung für die Periode 1. Juni bis 31. Mai. Auf vielfältigen Wunsch der Kunden wird dies nun einheitlich auf einen kalenderjährlichen Abrechungszyklus von 01.01.-31.12. umgestellt.

Andreas Niedermaier weist abschließend auf die ökologischen Vorteile der Fernwärme hin: „Fernwärme ist eine besonders umweltschonende Form der Wärmeversorgung. Nicht umsonst sieht die Bundesregierung in der Fernwärme und im Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) einen wichtigen Beitrag zu ihrem CO2-Minderungsziel. Hier in Darmstadt ist die Fernwärme nochmals deutlich umweltfreundlicher als in anderen Städten. In Summe entstehen pro Kilowattstunde Fernwärme in Darmstadt 50 Prozent weniger CO2 als im Bundesdurchschnitt. Wir setzen hier auf den umweltschonenden Energieträger Erdgas statt auf Kohle. Weiterhin nutzen wir in einem hohen Maße die Kraft-Wärme-Kopplung, denn die kombinierte Erzeugung von Strom und Wärme ist besonderes Energieeffizient. Dies spart Energie und verringert den CO2-Ausstoß. Darüber hinaus sind über 30 Prozent des eingesetzten Gases Bioerdgas, das wir überwiegend in unseren Biogasanlagen in Wixhausen und Semd erzeugen. Die Fernwärme im Bürgerparkviertel wird zudem aus dem Müllheizkraftwerk gespeist. Durch die Einbindung der Müllverbrennung wird ebenfalls erheblich CO2 eingespart.“

Kunden, die Fragen zum neuen Preismodell haben, können sich telefonisch unter der Nummer 06151 701-4050 informieren oder eine E-Mail an fernwaerme@hse.ag schicken.

Quelle: Pressestelle der Wissenschaftsstadt Darmstadt

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