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Ozeanische Gefühle 05. Lisa Rave »Europium« im Hessischen Landesmuseum Darmstadt


4. Juni 2019 - 06:30 | von | Kategorie: Ausstellung |
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»Europium« ist eines der Elemente, die man »Seltene Erden« nennt. Es ist nach dem europäischen Kontinent benannt und macht unter anderem die Farbbilddarstellung auf den Displays von Smartphones und Flatscreens brillanter. Außerdem garantiert es durch seine natürliche fluoreszierende Eigenschaft seit einiger Zeit die Echtheit der Euro-Banknote. Nun soll es im Bismarcksee genannten Randmeer des Pazifiks vor Neuguinea mit großem technischem Aufwand abgebaut werden.

Lisa Rave verwebt in ihrem Film verschiedene historische Elemente und spiegelt so die Komplexität menschlicher Kultur, ihrer lokalen Ökonomien und globalen Tauschsysteme. Sie parallelisiert Spiritualismus und Fetischkult der Indigenen Papua-Neuguineas sowie deren wechselvolle koloniale Vergangenheit anhand der Nautilus-Muschel und des traditionellen Muschelgeldes. Es wird Tabu oder Diwarra genannt. Zunächst diente es ab 1883 auch deutschen Kaufleuten als Zahlungsmittel. Ihm liegt aber auch ein spirituell-religiöses Konzept zugrunde wie etwa in Zeremonie wie Heirat und Tod.

Lisa Rave präsentiert bis 30. Juni 2019 im Hessischen Landesmuseum Darmstadt neben ihrem Film Muschelgeld aus der ethnologischen Sammlung. Darunter ist ein Kragen, der dicht mit Nassa-Schnecken besetzt ist. Er stammt aus Birara, im ehemaligen Neu-Mecklenburg, heute Niu Ailan bzw. New Ireland. Er kam 1904 als Geschenk des Geometers Rudolf Schmitt aus Gernsheim in das Landesmuseum.

Die ethnographische Sammlung umfasst über 4000 Objekte. Die Geschichte dieses seit Jahrzehnten nicht systematisch präsentierten Sammlungsbereiches geht bis auf das Legat des Kölner Sammlers Jean Guillaume Fiacre Honvlez, der sich Baron von Hüpsch nannte, an Großherzog Ludewig I. zurück. So kamen 1805 Gewänder aus China ins Landesmuseum. Bis zum Ersten Weltkrieg erfolgten laufend Stiftungen von Kolonialbeamten, Kaufleuten, Forschern und Weltreisenden. Bis 1906 waren Ethnologica in zwei Sälen im Schloß Darmstadt und im Cabinetsmuseum ausgestellt. Im Neubau von Adolf Messel wurde Vieles von 1906 bis 1944 neben der Archäologie im Untergeschoss gezeigt.

Angaben zur Künstlerin
Lisa Rave ist 1979 in Großbritannien geboren und lebt in Berlin. Sie hat Experimentellen Film in Berlin und Fotografie in New York studiert, war 2017 Stipendiatin der TBA21–Academy in Wien, 2014 Stipendiatin der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart. 2014 gewann sie den Videokunstpreis Bremen. Sie unterrichtet an der Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg.

Ihre letzten Ausstellungen waren u.a. Transmediale Festival in Berlin 2018, Centre for Contemporary Art Singapore und Lofoten International Art Festival (LIAF) 2017.

Videoreihe »Ozeanische Gefühle« bis Dezember 2019
In seinem neuen Videoraum stellt das Hessische Landesmuseum Darmstadt im monatlichen Wechsel internationale Filme über die Neugierde des Menschen, seine Umwelt und die Natur zu erforschen, zu verstehen und zu gestalten, vor. Der Titel »Ozeanische Gefühle« verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, der die Geschichte des Darmstädter Universalmuseums seit über 200 Jahren prägt. Er beschreibt die Sehnsucht, sich als Teil der Ewigkeit und des Unendlichen zu erleben. Das Wort »ozeanisch« ist dabei nicht wörtlich zu verstehen. Es geht nicht um eine spezielle Empfindung beim Anblick des Meeres, sondern um das emotionale Einssein mit der Welt und die Zugehörigkeit zum Ganzen.

Der Wunsch der Menschen, ihr Dasein und die Welt zu verstehen, erscheint gleichsam »ozeanisch«. Unbegrenzt und schrankenlos erkunden und kategorisieren wir die Erde, eignen sie uns an oder erfinden neue Welten. Dies gilt ebenso für die Effekte der Globalisierung und die Kreisläufe des Kapitals. Angesichts gravierender Veränderungen unseres Planeten und bedrohlicher Umweltzerstörung erscheint nicht nur unser Verhältnis zur Natur, sondern auch die Existenz des Menschen gefährdet und damit jene allumfassende Emotion.

Quelle: Hessisches Landesmuseum Darmstadt

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