Künstlerkolonie Mathildenhöhe auf dem Weg zum Weltkulturerbe: Wissenschaftsstadt Darmstadt gibt Antrag zur Aufnahme in die Deutsche Tentativliste für Welterbestätten ab


14. Juli 2012 - 08:48 | von | Kategorie: Kultur | Artikel drucken
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Mathildenhöhe DarmstadtNachdem die Stadtverordnetenversammlung der Wissenschaftsstadt Darmstadt am 21. Juni 2012 beschlossen hat, für die Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt einen Aufnahmeantrag in die Tentativliste (Vorschlagsliste) der Deutschen Welterbestätten zu stellen, hat Oberbürgermeister Jochen Partsch amFreitag (13.07.12) die entsprechenden Antragsunterlagen an das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst gesendet. „Neben dem Antragsformular der UNESCO mit der Darlegung des außergewöhnlichen universellen Wertes des vorgeschlagenen Gutes enthält der Antrag das Gutachten des Schweizer Professors Werner Oechslin, das die herausragende Bedeutung des Ensembles Künstlerkolonie bestätigt, und eine Broschüre „Materialien zur Künstlerkolonie Mathildenhöhe“ mit detaillierten Aussagen zu Bestand und Zustand der Stätte“, erläutert Oberbürgermeister Partsch. „Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat damit alle Voraussetzungen geschaffen, dass die Künstlerkolonie Mathildenhöhe auf die Vorschlagsliste kommt. Jetzt heißt es: Daumen drücken. Bei all dem brauchen wir einen langen Atem, denn bis 2015 wird erst einmal die alte Tentativliste abgearbeitet“, so Partsch weiter:

„Ich bin zuversichtlich, dass wir die notwendige Ausdauer und kreative Energie aufbringen. Unser Ziel ist, dass die Künstlerkolonie Mathildenhöhe Weltkulturerbe wird. Aber schon der Prozess, also der Weg hin zum Weltkulturerbe, ist für die Mathildenhöhe gewinnbringend, da wir, die Stadt und die Stadtgesellschaft, uns strukturiert und gemeinsam mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft dieses Darmstädter Identifikationsortes beschäftigen“.

Der Antrag beschreibt die Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt, bestehend aus den zwischen 1901 und 1914 entstandenen zukunftsweisenden Bauten, eingebettet in eine Parkanlage mit Skulpturen, Brunnen und Gartenpavillons. Die Beantragung erfolgt unter architektonisch-künstlerischen sowie geistesgeschichtlichen Aspekten. Dabei trifft der Antrag Aussagen zum außergewöhnlichen, universellen kulturellen Wert der Künstlerkolonie, der vor allem darin begründet wird, dass hier ein einmaliges Ensemble experimentellen Schaffens entstanden ist, das den architektonisch-künstlerischen Aufbruch im Geist der internationalen Reformbewegung am Beginn des 20. Jahrhunderts auf einzigartige Weise dokumentiert. Er enthält Erläuterungen zur Authentizität und Integrität des Ensembles sowie eine Beschreibung, die die Einzigartigkeit der Künstlerkolonie Mathildenhöhe im Vergleich mit anderen anerkannten Welterbestätten feststellt. Eine Karte des Gebietes stellt die Kernzone und die Pufferzone dar, in der bei Maßnahmen und Veränderungen in besonderer Weise auf Bestand und Erscheinungsbild der Künstlerkolonie Rücksicht zu nehmen ist. Erarbeitet hat den Antrag im Auftrag der Wissenschaftsstadt Darmstadt die Arbeitsgruppe Mathildenhöhe in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege. Der Arbeitsgruppe gehören an: Prof. Dr. Gerd Weiß, Dr. Jennifer Verhoeven, Renate Charlotte Hoffmann und Christiane Geelhaar, Nikolaus Heiss und Mona Sauer.

Der Antrag zur Aufnahme in die Tentativliste Deutschlands ist bis zum 15. Juli 2012 beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst einzureichen, das ihn zum 1. August 2012 an die Kultusministerkonferenz weiterleitet. Voraussichtlich im Jahr 2013 wird eine Expertenkommission eine Evaluation aller deutschen Anträge vornehmen und die getroffene Auswahl der Kultusministerkonferenz zur Aufnahme in die Tentativliste vorschlagen. Aus Deutschland werden sich voraussichtlich rund 40 Stätten bewerben. Bis Februar 2015 wird die alte Tentativliste von 1989 abgearbeitet, das heißt, dass erst dann Deutschland in jedem Jahr aus der neuen Liste eine Kulturerbe- und eine Naturerbestätte der UNESCO-Kommission in Paris vorschlagen wird. Wann Darmstadt, falls es in die Tentativliste aufgenommen wurde, dann seinen Antrag einreichen kann, ist heute noch nicht abzusehen.

Bisher hat die Wissenschaftsstadt Darmstadt in zwei öffentlichen Veranstaltungen über den Weg der Künstlerkolonie Mathildenhöhe zum Weltkulturerbe informiert: Bei der ersten Veranstaltung stand das für den Antrag zur Aufnahme in die Tentativliste gemäß den Bestimmungen der UNESCO und des Welterbe-Komitees für Weltkulturerbestätten notwendige Gutachten von Professor Werner Oechslin im Mittelpunkt. Bei der zweiten Informationsveranstaltung ging es vor allem um die bürgerschaftliche Beteiligung und aktuelle Informationen zur Rahmenkonzeption Mathildenhöhe. Ein drittes Bürgerforum zu den Erfahrungen hessischer Weltkulturerbestätten ist für den Herbst geplant. „Weitere Foren folgen“, so Partsch, „da der Prozess nur mit Beteiligung der Bürgerschaft wirklich gelingen kann“.

Quelle: Pressestelle der Wissenschaftsstadt Darmstadt

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