Wilhelm-Loth-Preis 2010 geht an Harun Farocki


10. März 2010 - 07:28 | von | Kategorie: Kultur | Artikel drucken
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Der Wilhelm-Loth-Preis 2010 geht an den Filmemacher Harun Farocki. Der Preis ist mit einem Preisgeld von 12.000 Euro sowie einer Ausstellung mitsamt Katalog auf der Mathildenhöhe Darmstadt verbunden. Die Preisverleihung findet Mitte Juni 2010 im Ausstellungsgebäude der Mathildenhöhe Darmstadt statt, die Ausstellung wird von März bis Juni 2011 ebenfalls dort zu sehen sein.

Die Jury des diesjährigen Wilhelm-Loth-Preises – Kunstpreis der Stadt Darmstadt, der neben dem Vorsitzenden, Oberbürgermeister Walter Hoffmann, Dr. Ralf Beil, Dr. Klaus Pohl, Peter Joch, Rudolf Schmitz, Dr. Reinhard Spieler und Ruth Wagner) angehören, begründet ihre Entscheidung mit Farockis besonderen Bildsprache:

„Die Entscheidung der Jury für einen Filmemacher mag ungewöhnlich erscheinen, doch Harun Farocki behandelt Film wie die Bilder einer Ausstellung. Er ist nicht nur Filmemacher, sondern immer auch Filmanalytiker. Harun Farocki zeigt dabei unter anderem, dass die Untersuchungsprinzipien der Kunstgeschichte längst Allgemeingut geworden und zum Beispiel vom militärisch-industriellen Komplex zu eigenen Zwecken genutzt werden. Seit Mitte der neunziger Jahre präsentiert Harun Farocki seine Arbeiten zunehmend in Kunsträumen und macht damit das Museum zum Laboratorium des Kinos. Dabei wird deutlich, wie sehr seine Art der Bildmontage zum visuellen Erbe für die zeitgenössische Videokunst geworden ist. Zugleich aber, und das ist das Besondere seiner Arbeit, überschreitet Harun Farocki den Kunstkontext: Seine Sehuntersuchungen sind grundsätzlicher Art und lassen sich auf sämtliche Bereiche des menschlichen Lebens beziehen. Indem Farocki die Macht der Bilder befragt und das vermeintlich Vertraute wieder fremd erscheinen lässt, arbeitet er an einem umfassenden anthropologischen Projekt: es geht um nicht weniger als die Testsituation „Leben“ und wie sie sich in bewegten Bildern darstellt, verbirgt, verkleidet.“

Harun Farocki, geboren 1944 in Nový Jicin (Neutitschein) im damals vom Deutschen Reich annektierten Teil der Tschechoslowakei, ist einer der wichtigsten Filmemacher, Filmkritiker und Videokünstler Deutschlands. Seit 1966 hat Harun Farocki über 100 Produktionen allein für Fernsehen und Kino realisiert. Nach dem Studium der Theaterwissenschaft, Soziologie und Publizistik an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin/West von 1966 bis 1968 arbeitet er von 1974 bis 1984 als Autor und Redakteur für die Zeitschrift „Filmkritik“. Von 1993 bis 1999 lehrt er als Visiting Professor an der University of California, Berkeley. Seit 1996 ist Farocki international mit seinen Filmen und Videoinstallationen bei zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen in Museen und Galerien vertreten. 2007 nimmt er mit seiner Videoinstallation „Deep Play“ an der documenta 12 teil. Seit 2004 ist er Gastprofessor, seit 2006 ordentlicher Professor an der Akademie für Bildende Künste Wien. Zu seinen zahlreichen Ehrungen und Preisen gehören der Deutsche Dokumentarfilmpreis (1969/1988/1990), der Adolf-Grimme-Preis (1994), der Peter-Weiss-Preis für sein Lebenswerk (2002) sowie der Spezialpreis der Jury des Internationalen Filmfestes Locarno (2007).

Quelle: Stadt Darmstadt – Pressestelle – Pressedienst

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