Navigations-App für Rollstuhlfahrende mit erweiterten Funktionen


12. Mai 2016 - 14:02 | von | Kategorie: Wissenschaft | Artikel drucken
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Hochschule Darmstadt  h_daDie am Fachbereich Informatik der Hochschule Darmstadt (h_da) momentan entwickelte App „Wheel Scout“ unterstützt Rollstuhlfahrende bei der Navigation. Sie zeigt an, ob der vorgesehene Weg barrierefrei, eingeschränkt oder nicht zu bewältigen ist. Neu ist, dass die App auch innerhalb von Gebäuden funktioniert und zudem mit einer Sprachsteuerung versehen ist. Rollstuhlfahrende können sich somit noch einfacher navigieren lassen und dies auch durch Gebäude hindurch. 

„Manchmal führt der kürzeste und barrierefreiste Weg durch Gebäude oder das Ziel liegt in einem Gebäude, zum Beispiel der Hörsaal einer Hochschule oder das Bahngleis eines Bahnhofs“, erläutert Projektleiterin Prof. Dr. Bettina Harriehausen-Mühlbauer vom Fachbereich Informatik der h_da. „Deswegen haben wir die Outdoor-Navigation um ein Indoor-Routing erweitert. Die Positionsbestimmung innerhalb von Gebäuden wird mittels Beacons, die Bluetooth-Signale mit ihrer Geoposition aussenden, berechnet. Auf diese Weise kann die App eine Route berechnen, die Gebäude mit einbezieht.“

Im Outdoor-Modus funktioniert „Wheel Scout“ via GPS-Ortung. Für die Darstellung der Routen greift die App über eine technische Schnittstelle auf das Kartenprogramm „Open Street Map“ zu und nutzt hier die Funktionalität der so genannten „Points of Interest“, mit denen Sehenswürdigkeiten markiert werden. „Wheel Scout“ markiert hingegen Barrieren mit eigens dafür entworfenen Barriere-Symbolen. Nutzerinnen und Nutzer können neue Barrieren selbst eintragen und sich individuelle Profile entsprechend ihrer Fähigkeiten anlegen. Die App funktioniert als plattformunabhängige Web-Anwendung auf allen mobilen Geräten.

Die ebenfalls neu integrierte Sprachsteuerung erleichtert die Bedienbarkeit von „Wheel Scout“ zusätzlich, denn viele Rollstuhlfahrende können auch ihre Finger nicht uneingeschränkt bewegen. Sie sprechen stattdessen die Adresse des gewünschten Zielorts ein. Die hierfür nötige Sprachsteuerungs-Software entwickelte European Media Laboratory in Heidelberg. „Wir haben dabei auf unsere bisherigen Erfahrungen mit der Sprachsteuerung für barrierefreies Autofahren aufgebaut“, sagt Dr. Siegfried Kunzmann, Leiter Forschung und Entwicklung am EML. „Durch die Spracheingabe haben die Rollstuhlfahrer sprichwörtlich die Hände frei.“

Weiterer Kooperationspartner ist der Unabhängige Verband der Zivilinvaliden LAPIC/UVZ aus Südtirol, der die Weiterentwicklung von Wheel Scout finanziert. „Die Aufgabe des Unabhängigen Verbandes der Zivilinvaliden von Südtirol Italien ist es, wichtige Inputs von Betroffenen an das Entwickler-Team weiterzuleiten und anschließend die App zu testen. Durch diese App werden Barrieren nicht beseitigt,  jedoch sicher umgangen. Dies ist eine große Hilfe zur Bewältigung der alltäglichen Probleme in der Mobilität der Betroffenen“, sagt Vorstandsmitglied Jakob Kristler. Eine erste marktreife Version von „Wheel Scout“ ist für 2017 vorgesehen.

Quelle: Hochschule Darmstadt

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