IHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn: Unternehmen machen gute Geschäfte / Exportsorgen verflogen


11. Februar 2016 - 07:50 | von | Kategorie: Wirtschaft | Artikel drucken
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IHK Darmstadt Rhein Main NeckarIn der südhessischen Wirtschaft läuft es wieder besser als zuletzt: Die Auftragslage der Industrie entwickelt sich positiv, denn Produkte aus Südhessen sind international gefragt – trotz der lahmenden Weltkonjunktur. Die Binnennachfrage bildet aber weiterhin den wirtschaftlichen Anker. Das bestätigt auch der Einzelhandel, der mit dem Konsumverhalten und dem zurückliegenden Weihnachtsgeschäft zufrieden ist. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar, für die sie mehr als 1.200 Unternehmen aus der Region befragt hat.

IHK-Index legt um mehr als zehn Punkte zu

Im Vergleich zum Herbst 2015 steigt der IHK-Geschäftsklimaindex zu Jahresbeginn um satte 10,4 Punkte und liegt nun bei 124,1 Zählern. „Diese Entwicklung lässt uns trotz aller Negativmeldungen optimistisch in das neue Jahr starten“, sagt Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK Darmstadt, bei der Vorstellung des Konjunkturberichtes. Der Lageparameter hat nochmals kräftig angezogen: 48 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Lage als gut, 44 Prozent als befriedigend, nur acht Prozent als schlecht.

Vor vier Monaten ließ sich die Industrie noch von der schwachen Entwicklung vor allem in China beeindrucken. Auch wenn sich daran nur wenig geändert hat, sind ihre Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Monate und insbesondere das Auslandsgeschäft überraschend freundlich. „Die Erwartungsdelle aus dem Herbst ist ausgebügelt“, so Vetterlein. „Die südhessische Industrie kennt ihre Stärken im Export und lässt sich so schnell nicht beirren. Die Unternehmen freuen sich über ein weiteres Auftragsplus, auch aus dem Ausland.“ In Zahlen ausgedrückt heißt das: 25 Prozent der Unternehmen rechnen mit besseren Geschäften in der Zukunft. Sechs von zehn Unternehmen erwarten, dass die Situation bleibt wie sie ist. Nur 15 Prozent stellen sich auf schlechte Zeiten ein.

Kritischer Blick auf die Politik

Worin sehen Unternehmen das größte Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung? 43 Prozent der befragten Unternehmen nennen hier die politischen Rahmenbedingungen. Damit stieg der Wert um vier Prozentpunkte. „Derzeit dominiert das Thema Flüchtlinge“, erläutert Vetterlein. „Die Politik ist im Krisenmodus. Offensichtlich befürchten Unternehmen, dass für eine gute Wirtschaftspolitik Zeit und Aufmerksamkeit fehlt.“ Ein Beispiel seien die geplanten Einschränkungen beim Einsatz von Zeitarbeit und Werkverträgen. Für Unternehmen seien diese aber wichtig, um flexibel auf Auftragsschwankungen reagieren zu können, so Vetterlein. „Die für viele Unternehmen deutlich schlechteren Rahmenbedingungen sind ein Grund, warum die Investitionsneigung so ein zartes Pflänzchen ist.“

Beschäftigungsaufbau setzt sich fort

Auf dem Arbeitsmarkt setzt sich der mehrjährige Beschäftigungsaufbau fort, denn die Unternehmen stellen weiter ein. Dabei sind zum ersten Mal Auswirkungen des Mindestlohnes festzustellen. „Mit der Einführung des Mindestlohnes sind in Südhessen rund zwei Prozent aller Minijobs wegfallen. Das sind etwa 1.600 geringfügig Beschäftigte“, sagt IHK-Konjunkturexperte Dr. Peter Kühnl. Dass viele der ehemaligen Minijobber nun in einem regulären Beschäftigungsverhältnis stehen, sieht der Volkswirt nicht. „Den aktuellen Beschäftigungsrekord haben wir trotz und nicht wegen des Mindestlohns“, so Kühnl.

Konjunktur in den Regionen

In Darmstadt prägen Dienstleister die Wirtschaft. Die Geschäftslage der Branche ist ausgezeichnet und die Unternehmen blicken optimistisch auf die kommenden Monate. Die Job-Ampel steht auf grün, denn es werden neue Stellen geschaffen.

Die Kreise Bergstraße und Darmstadt-Dieburg verfügen über eine solide industrielle Basis, in der das Baugewerbe und der Handel dominieren. Das Baugewerbe ist mit seinem hohen Auftragsbestand sehr zufrieden. Der Einzelhandel plant, saisonbedingt Personal abzubauen.

Im Kreis Groß-Gerau führen Industrie sowie Dienstleister aus Verkehr und Logistik. Die Industrie verbucht steigende Aufträge aus dem In- und Ausland und erwartet, dass die Exportnachfrage weiter zunimmt. Der hohe Personalbestand wird gehalten. Auch die Lage der Verkehrs- und Logistikdienstleister ist gut – ebenso wie ihre Zukunftsaussichten.

Industrie und Baugewerbe bilden den wirtschaftlichen Kern des Odenwaldkreises. Die Industrie meldet gute Zahlen und blickt optimistisch auf den Außenhandel. Personell will sie ihren aktuellen Bestand halten. Nach regen Investitionen im Vorjahr hält sich die Branche derzeit zurück. Das Baugewerbe meldet eine Spitzenauslastung.

Quelle: Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar

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