HEAG mobilo 2012 mit erneutem Fahrgastrekord


14. September 2013 - 10:22 | von | Kategorie: Verkehr, Wirtschaft | Artikel drucken
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HEAG mobilo GmbHImmer mehr Menschen nutzen die Busse und Bahnen der HEAG mobilo und ihrer Tochtergesellschaften. 2012 verzeichnete der Darmstädter Verkehrskonzern einen Fahrgastrekord von 41,6 Mio. beförderten Personen. Trotz dieser positiven Tendenz sieht sich die HEAG mobilo einem erhöhten ökonomischen Druck ausgesetzt. So steht der positiven Nutzerentwicklung 2012 ein Jahresdefizit von 29,8 Mio. Euro gegenüber.

Matthias Kalbfuss, Vorsitzender der Geschäftsführung der HEAG mobilo, nennt gleich mehrere Gründe, weshalb der ökonomische Rahmen für sein Unternehmen immer schwieriger wird. „Wir haben seit Jahren drastische Preissteigerungen bei den Kraftstoffen wie Strom und Diesel, unsere Betriebskosten sind in deutlich höherem Maße gestiegen als der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) die Fahrpreise angehoben hat. 2012 haben wir zudem erstmals erlebt, dass wir im Rahmen der Einnahmeaufteilung des RMV erheblich weniger Fahrgelderlöse erhalten haben, denn künftig fließen mehr Gelder in die Regionalverkehre. Diese neue Aufteilung im RMV belastet nicht nur uns, sondern auch andere Anbieter lokaler Verkehre über Jahre.“ Für die HEAG mobilo bedeutet dies bis zum Jahr 2017 Mindereinnahmen in Höhe von rund zehn Millionen Euro.

Traditionell decken im ÖPNV die Fahrgeldeinnahmen nur einen Teil der tatsächlichen Kosten. Eine wesentliche Finanzierungsgrundlage für die ÖPNV-Infrastruktur sind öffentliche Zuschüsse. Auch hier droht der Branche Ungemach. Mit der Bund-Länder-Finanzreform sind die Mittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) und Entflechtungsgesetz in ihrer Höhe festgeschrieben und nicht an die jeweiligen Preissteigerungen angepasst. Zudem sind die Zahlungen bis 2019 begrenzt. Hinzu kommt, dass die Zweckbindung der Mittel für den ÖPNV mit Ablauf dieses Jahres endet.

Hohe Förderung durch das Land Hessen Angesichts dieser ungewissen Finanzierungslage hat die HEAG mobilo im vergangenen Jahr für mehrere Infrastrukturmaßnahmen Förderanträge gestellt und diese inzwischen auch vom Land Hessen bewilligt bekommen. Dazu zählen die neue Nahverkehrsspur in der Bismarckstraße West, der barrierefreie Ausbau mehrerer Straßenbahnhaltestellen, die Ausstattung sämtlicher Straßenbahnhaltestellen mit dynamischen Anzeigern sowie eine umfassende Modernisierung der Fahrleitung. „Ohne eine solche Förderung könnten wir unsere Infrastruktur nicht weiter entwickeln und den steigenden Qualitätsanforderungen an einen modernen ÖPNV gerecht werden“, betont Karl-Heinz Holub, technischer Geschäftsführer der HEAG mobilo. Dies betreffe zum Beispiel auch den im Sommer beschlossenen Bau einer neuen Straßenbahnanbindung an den Hochschulstandort TU-Lichtwiese. Allein aus Mitteln des Unternehmens und der Stadt ließen sich solche Projekte nicht realisieren.

Doch nicht nur die Finanzierung der Neuinvestitionen bereitet der HEAG mobilo Sorge. Denn steigende Fahrgastzahlen bedeuten auch eine höhere Belastung der bestehenden Infrastruktur. Eine weitere große Herausforderung für das Verkehrsunternehmen ist daher die Instandhaltung der bestehenden Anlagen. Anders als bei Neubauprojekten gibt es für Instandhaltungen bestehender Infrastruktur bislang keine Zuschüsse. Auch daraus resultiert das steigende Defizit der HEAG mobilo. Für den Straßenbahnbetrieb unterhält das Unternehmen rund 45 Kilometer Gleisnetz. Dazu gehören neben Gleisen, Fahrleitung und Verkehrssteuerung auch mehr als 70 Haltestellen, viele davon mit Fahrkartenautomaten, Fahrgastunterständen und Bike & Ride-Anlagen ausgestattet. „Unsere Infrastruktur ist unser Rückrat im ÖPNV. Wir müssen sie technisch instand halten und zudem an die neuen im Personenbeförderungsgesetz definierten Vorgaben zur Barrierefreiheit anpassen“, skizziert Holub die Sachlage. Die mehrjährige rund zwei Kilometer lange Trassensanierung in der Heidelberger Landstraße mit der Umwandlung in ein Rasengleis ist nur eines der Großbauvorhaben, die das Geschäftsergebnis der HEAG mobilo in Millionenhöhe belasten und für die es keine Zuschüsse gibt. Dennoch sieht der Geschäftsführer das Geld gut angelegt: „Gerade zum Rasengleis haben wir viele positive Rückmeldungen erhalten. Es macht nicht nur den ÖPNV attraktiver, sondern unterstützt die Klima- und Lärmschutzbestrebungen der Stadt Darmstadt und bedeutet für den öffentlichen Straßenraum eine deutliche Aufwertung.“

Beständiger Sanierungsbedarf Doch auch wenn die Bauarbeiten an der Heidelberger Landstraße dieses Jahr abschließen, ist ein Ende beständiger Sanierung für das Unternehmen nicht absehbar. „Mehr als die Hälfte unserer Gleise ist älter als 20 Jahre, damit werden in auch in den nächsten Jahren erhebliche Instandhaltungskosten auf uns zukommen“, erläutert Holub.

Angesichts der angespannten finanziellen Lage der Kommunen braucht die HEAG mobilo haushaltsunabhängige Mittel, um ihre Infrastruktur erhalten zu können. Sie ist mit dieser Forderung nicht allein. Um auf das Problem der Infrastrukturfinanzierung aufmerksam zu machen, hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) im Mai dieses Jahres eine nationale Infrastrukturkampagne ins Leben gerufen. Am gestrigen 12. September war der Deutschlandtag des Nahverkehrs. Die Infrastrukturinitiative richtet sich als Appell an die Politiker in den Ländern und im Bund, die notwendigen finanziellen Mittel auch für den Erhalt der bestehenden Infrastruktur in Zukunft sicher zu stellen.

Fahrgäste finden ÖPNV-Angebot „eher gut“ Welche Bedeutung eine gute Infrastruktur für die Fahrgäste hat, belegen auch die Ergebnisse des aktuellen ÖPNV-Kundenbarometers 2013, an dem sich die HEAG mobilo zum fünften Mal beteiligt hat. Weiterhin werden die Leistungen der HEAG mobilo von den Fahrgästen als „eher gut“ bewertet und liegen deutlich über dem Durchschnitt der Branche. Stärker als bisher beeinflusst das Leistungspaket „Haltestellen“ die Globalzufriedenheit der Fahrgäste im Verkehrsnetz des Verkehrskonzerns. Ende 2013 waren 92 der 162 der Straßenbahnhaltepunkte barrierefrei ausgebaut. Zwölf weitere werden in diesem Jahr folgen. „Nur wenn auch in Zukunft die notwendigen finanziellen Mittel bereit gestellt werden, können wir unseren Fahrgästen einen attraktiven ÖPNV bieten und die Zufriedenheit mit unserer Leistung weiter verbessern“, sind sich Kalbfuss und Holub einig.

Eine detaillierte Übersicht aller teilnehmenden Unternehmen und Verbünde zur Infrastrukturinitiative mit weiteren Informationen gibt es online unter www.damit-deutschland-vorne-bleibt.de.

Quelle: HEAG mobilo GmbH

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