A House Full of Music – Strategien in Musik und Kunst


12. Mai 2012 - 08:33 | von | Kategorie: Ausstellung | Artikel drucken
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A House Full of MusicVom 13. Mai bis 9. September 2012 präsentiert die Mathildenhöhe Darmstadt ein einmaliges Jahrhundertpanorama der Kunst und Musik. Die interdisziplinäre Ausstellung „A House Full of Music” ist den Pionieren und Grenzgängern der Musik und Kunst gewidmet.

Am 5. September 2012 jährt sich der 100. Geburtstag von John Cage. Wie kaum jemand vor ihm hat Cage die Frage nach den Grenzen der Musik und ihren Verbindungen zu anderen Kunstfeldern und der Alltagswelt immer wieder neu gestellt. Gemeinsam mit Satie, Duchamp, Paik und Beuys gehört er zu den großen Strategen und Grenzgängern der Musik und Kunst im 20. Jahrhundert. Ausgehend von diesen Schlüsselfiguren wird die interdisziplinäre Großausstellung auf der Mathildenhöhe Darmstadt parallel zur documenta 13 in Kassel mit ebenso faszinierenden wie erhellenden Klangräumen, Projektionen, Objekten, Partituren, Gemälden und Installationen von 110 bildenden Künstlern, Musikern und Komponisten – von Laurie Anderson über Robert Filliou, Anri Sala, Dieter Roth und Iannis Xenakis bis hin zu Frank Zappa – zwölf Grundstrategien der Musik und Kunst seit 1900 erfahrbar machen. Der Komponist Heiner Goebbels wird eigens für das Wasserreservoir der Mathildenhöhe eine von John Cage und Gertrude Stein inspirierte Sound- und Videoinstallation realisieren.

Nach den national wie international gefeierten interdisziplinären Ausstellungen Russland 1900. Kunst und Kultur im Reich des letzten Zaren und Gesamtkunstwerk Expressionismus. Kunst, Film, Literatur, Theater, Tanz und Architektur 1905-1925 realisiert das Institut Mathildenhöhe Darmstadt mit A House Full of Music. Strategien in Musik und Kunst von 13. Mai bis 9. September 2012 das nächste ambitionierte Großprojekt. Diesmal wird gleich ein ganzes Jahrhundert auf neue Art und Weise präsentiert.

A House Full Of Music geht grundsätzlich anders vor als einschlägige Musik und Kunst- Ausstellungen der letzten Jahrzehnte, die sich meist vor allem mit den synästhetischen Fragen „Wie klingt das Bild?“ oder „Welche Farbe hat der Klang?“ auseinander gesetzt haben oder aber die Klangkunst als neue Hybridgattung beziehungsweise gattungsübergreifende soziokulturelle Kontexte von Kunst und Musik oder einzelne Medien – wie etwa die Schallplatte – in den Fokus rückten.

Auf der Mathildenhöhe Darmstadt werden nun erstmals die inneren Zusammenhänge zwischen den Gattungen Musik und Kunst thematisiert: Dies geschieht durch die epochenübergreifende Präsentation wirkmächtiger Strategien. Speichern, collagieren, schweigen, zerstören, rechnen, würfeln, fühlen, denken, glauben, möblieren, wiederholen, spielen – das sind zwölf Strategien, die sowohl die Musik als auch die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts markant geprägt haben und bis heute prägen.

In kontrastreichen Strategieräumen wird die Ausstellung auf der Mathildenhöhe Darmstadt diese parallelen Vorgehensweisen von Musik und Kunst in Geschichte und Gegenwart erfahrbar machen. Damit bietet A House Full of Music zugleich genuine Möglichkeiten zur (Wieder)Entdeckung von Musik- und Kunstwerken und wirft einen neuen Blick auf die vielfältigen Zusammenhänge der beiden künstlerischen Disziplinen, die sowohl auf thematischer, formaler als auch personeller Ebene verfolgt werden können.

Das Jubiläum des 100. Geburtstags von John Cage, einem der wichtigsten Komponisten und Musikdenker des 20. Jahrhunderts, ist zugleich äußerer wie innerer Anlass zu dieser groß angelegten Ausstellung: Wie kaum jemand vor ihm hat John Cage die Grenzen der Musik gesprengt und auf die Kunst und das Leben hin geöffnet. Zusammen mit Erik Satie, Marcel Duchamp, Joseph Beuys und Nam June Paik ist Cage eine der Schlüsselfiguren der Ausstellung, die nicht umsonst den Namen einer seiner Performances trägt: A House Full of Music.

Den frühen Grenzgängern Satie und Duchamp ist ein eigener Prolog gewidmet. Rund um diese Strategiepioniere werden 110 Künstler, Musiker und Komponisten von Nevin Aladag, Pierre Boulez und Miles Davis über Brian Eno, Bruce Nauman und Steve Reich bis hin zu La Monte Young in einem spannungsreichen Ausstellungsparcours quer durch Kunst- und Musikstile sowie Medien die zwölf Grundstrategien der Kunst und Musik des 20. und 21. Jahrhunderts ausloten. Gewissermaßen gegen den Strich entsteht so auch ein Jahrhundertpanorama der Kunst und Musik.

Aus Anlass der Ausstellung realisiert der Komponist, Musiktheaterregisseur und diesjährige Intendant der Ruhrtriennale Heiner Goebbels eigens für das historische Wasserreservoir unterhalb des Ausstellungsgebäudes Mathildenhöhe auf insgesamt 1000 Quadratmetern der beiden Speicherkammern die John Cage und Gertrude Stein inspirierte Sound- und Videoinstallation Genko-an 64287.

Die Bildhauerateliers des Museums Künstlerkolonie verwandeln sich für die Dauer der Ausstellung in ein kontrastreiches Cage-Kino. Im Schwarzraum läuft der Künstlerfilm Sound?? von 1966, der John Cage mit dem Jazz-Saxophonisten Rashaan Roland Kirk in einen kreativen Dialog setzt. Im benachbarten Weißraum ist Nam June Paiks filmischkünstlerische Hommage A Tribute to John Cage von 1973/76 zu erleben.

Zur Ausstellung erscheint neben einem weiteren Band aus der Reihe Kunst zum Hören das umfangreiche Katalogbuch A House Full of Music. Strategien in Musik und Kunst, herausgegeben von Ralf Beil und Peter Kraut im Verlag Hatje Cantz, mit Essays von Ralf Beil, Stefan Fricke, Peter Kraut und Thomas Schäfer, Werktexten u.a. von Eike Fess, Philipp Gutbrod, Anke Hillen und Andrea Keppler sowie Quellentexten, u.a. von Samuel Beckett, Joseph Beuys, William Burroughs, Pierre Boulez, John Cage, Marcel Duchamp, Brian Eno, Piet Mondrian, Mike Kelley, Nam June Paik, Rainer Maria Rilke, Luigi Russolo, Erik Satie, Erwin Schulhoff, Karlheinz Stockhausen und Bill Viola, 416 Seiten, 468 Abbildungen, 24,5 x 30,5 cm, Hardcover, € 45 an der Museumkasse, €49,80 im Buchhandel. Kunst zum Hören. A House Full of Music: 52 Seiten, 57 Abbildungen, 22 x 22 cm, mit einer CD, € 16,80. 52

Die interdisziplinäre Großausstellung A House Full of Music. Strategien in Musik und Kunst wird von einem ebenso hochkarätigen wie umfangreichen Rahmen- und Musikprogramm begleitet. Neben dem permanent laufenden Cage-Kinoprogramm wird auch das Kindermuseum zur Ausstellung im Museum Künstlerkolonie zu finden sein. Mit dem Internationalen Musikinstitut, Kooperationspartner der Ausstellung A House Full of Music, dem Staatstheater Darmstadt, der Akademie für Tonkunst Darmstadt, der Centralstation Darmstadt und dem Jazzinstitut Darmstadt werden sämtliche bedeutenden Musikinstitutionen Darmstadts mit Projekten, Konzerten und Aufführungen an diesem ambitionierten Unternehmen beteiligt sein. Ausgewählte Filmpräsentationen zum Themenkomplex finden im Programmkino Rex sowie an den Filmabenden des Filmkreises der TU Darmstadt statt. Höhepunkt des Begleitprogramms ist eine Marathon-Aufführung von Erik Saties Vexations (840 Wiederholungen) über mehr als 24 Stunden am Flügel im Foyer des Ausstellungsgebäudes.

Das Internationale Musikinstitut Darmstadt ist seit 1946 Initiator der legendären Internationalen Ferienkurse für Neue Musik, die immer wieder Austauschort und Treffpunkt hochkarätiger Komponisten und Künstler wie Pierre Boulez, John Cage, Luigi Nono, Nam June Paik oder Karlheinz Stockhausen gewesen sind. Unter Federführung des Internationalen Musikinstituts werden im Sommer 2012 zwei groß angelegte musikalische Parallelveranstaltungen in Darmstadt durchgeführt.

46. INTERNATIONALE FERIENKURSE FÜR NEUE MUSIK DARMSTADT
14. bis 28. Juli 2012
Ein Treffpunkt für Komponisten, Interpreten, Performer, Klangkünstler und Wissenschaftler. Zum Entdecken, Vernetzen, Austauschen und Debattieren, Arbeiten und nicht zuletzt zum Erfinden – das sind die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt. Alle zwei Jahre im Sommer, rund um die Uhr, zwei Wochen lang. Ob in Seminaren, Workshops, Konzerten oder Lesungen, in Diskussionen, Proben oder zufälligen Begegnungen – alles dreht sich hier um die Musik unserer Gegenwart. In einem über Grenzen, Generationen und ästhetische Standpunkte hinweg geführten, vielstimmigen Diskurs. Geführt von mittlerweile regelmäßig rund 350 Teilnehmer/innen aus der ganzen Welt und mit völlig unterschiedlichem kulturellen Hintergrund. Eröffnet werden die 46. Internationalen Ferienkurse für Neue Musik mit einem großen John Cage-Projekt der Extraklasse, dessen konzertanter Parcours von der Mathildenhöhe Darmstadt zum Darmstadtium führt (u.a. mit dem Ensemble Modern und der Jungen Deutschen Philharmonie).

CAGE I 100 I HAUPTBAHNHOF DARMSTADT
Juli 2012
Der Hauptbahnhof Darmstadt feiert 2012 ebenfalls sein 100-jähriges Bestehen – ein passender Anlass, beide „Jubiläen“ miteinander zu verbinden und das Jugendstiljuwel für den gesamten Monat Juli zum „John-Cage-Bahnhof“ werden zu lassen – mit installativen Arbeiten, künstlerischen Eingriffen, Klang-Skulpturen, Hörstationen und livemusikalischen Aktionen rund um John Cage.

Quelle & Bild: Institut Mathildenhöhe Darmstadt

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