Wanderausstellung über die „Opfer rechtsextremer Gewalt seit 1990 in Deutschland“


3. Mai 2012 - 06:46 | von | Kategorie: Ausstellung | Artikel drucken
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Justus-Liebig-Haus DarmstadtDie Wissenschaftsstadt Darmstadt holt – zusammen mit der AG Weltoffenes Darmstadt und dem Förderverein Liberale Synagoge – die Wanderausstellung „Den Opfern einen Namen geben – Opfer rechtsextremer Gewalt seit 1990 in Deutschland“ nach Darmstadt. „Wir wagen in unserer Stadt bewusst mehr Weltoffenheit. Mit dieser Ausstellung und ihrem Rahmenprogramm setzen wir in Darmstadt ein klares Zeichen für friedliches Miteinander, Toleranz und Demokratie, für Vielfalt und gegen das Vergessen. Rechtsextremismus und Rassismus, Fremdenhass, brauner Terror und die menschenverachtende Ideologie der Neonazis haben in unserer Stadt keinen Platz. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Darmstädter Schulklassen diese erschütternde Ausstellung ansehen. Denn diese Ausstellung will aufklären, informieren und wachrütteln: Gewaltfreie Demokratie, Toleranz und Vielfalt können in unserem Land erlebt, erfahren werden, aber müssen tagtäglich neu erkämpft werden. Wir brauchen Menschen, die sich aktiv für eine empathische, gewaltfreie Demokratie stark machen“, wirbt Oberbürgermeister Jochen Partsch für die Schau, die ab kommendem Freitag (04.05.12) im Justus-Liebig-Haus zu sehen ist.

Die Ausstellung besteht aus 169 Tafeln und porträtiert 156 Menschen, die seit der Vereinigung Deutschlands bis Ende 2010 durch rechts motivierte Gewalttaten zu Tode kamen. Eingerahmt von jeweils leeren Tafeln zu Beginn und am Ende, die die Opfer vor 1990 und nach 2010 repräsentieren, und zwei Tafeln am Anfang mit einem einführenden Text, schließen sich, in chronologischer Ordnung, 156 Tafeln an, die jeweils ein gerastertes Foto eines Menschen enthalten und so an ihn erinnern. Auf jeder Tafel sind jeweils der Name, das Alter, der Beruf sowie die Todesumstände der Person notiert. Die Angaben basieren auf Medienberichten und sind daher lückenhaft. Viele wurden getötet, weil für sie im Weltbild der Rechtsextremen kein Platz ist; manche, weil sie den Mut hatten, Nazi-Parolen zu widersprechen. Einige Schicksale bewegten die Öffentlichkeit, viele wurden kaum zur Kenntnis genommen, vergessen sind die meisten. Wurde kein Bild eines Opfers veröffentlicht, ist sein Porträt durch eine leere Rasterfläche oder durch Spiegel ersetzt.

Geschaffen hat die Schau die Künstlerin Rebecca Forner (Jg. 1970), die sich durch die Enthüllungen der beiden Zeitungen „Tagesspiegel“ Berlin und „Frankfurter Rundschau“ inspirieren ließ. Als Wanderausstellung des Vereins Opferperspektive e.V. Potsdam in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung wurde sie bereits in zahlreichen deutschen Städten gezeigt und stößt allerorten auf viel Resonanz.

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt zeigt die Ausstellung im Rahmen der „Darmstädter Tage gegen Rassismus – für Demokratie, Toleranz und Vielfalt“. Die Kooperationspartner haben die Erinnerungsausstellung zudem mit einem umfangreichen Rahmenprogramm ausgestattet.

Das Rahmenprogramm zur Wanderausstellung:

Zur Eröffnung der Wanderausstellung am Freitag, den 4. Mai um 17.30 Uhr spricht Schirmherr Oberbürgermeister Jochen Partsch.

Einen Tag vor Ausstellungsbeginn gibt es einen Vortrag von dem Parteienforscher und Politikwissenschaftler Frank Decker über „Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in Deutschland – eine Gefahr für unsere Demokratie?“ um 19.30 Uhr im Karolinensaal, Haus der Geschichte (Eintritt: 5 Euro).

Am Freitag, 11. Mai verleiht Oberbürgermeister Jochen Partsch den Preis „Gesicht zeigen! Aktion Weltoffenes Darmstadt“ an Personen oder Gruppen für ihr Engagement im Bereich Zivilcourage und gegen Rassismus ab 17 Uhr im Foyer des Justus-Liebig-Hauses, Große Bachgasse 2. Der Preis wird vom Magistrat auf Vorschlag einer Jury vergeben. Er kann auf mehrere Preisträger aufgeteilt werden und besteht aus einer Geldzuwendung von 2.000 Euro und einer Urkunde. Bei der Veranstaltung ist auch das Theaterlabor Darmstadt dabei.

Eine Podiumsdiskussion am 15. Mai um 19.30 Uhr im Justus-Liebig-Haus beleuchtet das Thema „Rassismus, braune Gewalt und das Gift aus der Mitte – Herausforderung für die Weltoffenheit unserer Einwanderungsgesellschaft vor Ort?“. Das Impulsreferat „Vom Rand zur Mitte, von Brandstiftern und Biedermännern. Aktuelle Tendenzen des Rechtsextremismus in Deutschland“ hält Diplom-Politologe Carsten Koschmieder von der FU Berlin. An der anschließenden Podiumsrunde nehmen Oberbürgermeister Jochen Partsch, Eda Kurt vom Türkisch-Islamischen Kulturverein DITIB, Goitom Beraki (Eritreischer Kulturverein Darmstadt und Umgebung e. V.), Adam Strauß (Vorsitzender des Verbands Deutscher Sinti und Roma LV Hessen), Jürgen Planert (DGB-Vorsitzender Region Südhessen) und Dr. Uwe Vetterlein (IHK-Hauptgeschäftsführer Darmstadt Rhein Main) teil. Die Moderation übernimmt Volker Schmidt, Redakteur in der Politikredaktion der Frankfurter Rundschau.

Das Rex-Programmkino zeigt den Film „Die Kriegerin“ am 4., 7., 10. und 14. Mai jeweils um 18 Uhr. Der Spielfilm von David Wnendt (Deutschland 2011, 106 Min.), ausgezeichnet mit dem Förderpreis Deutscher Film und Nominierungen und Preisen bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises am Wochenende, handelt von der 20 Jahre alten Marisa, die zu einer rechtsradikalen Jugendclique in einer ostdeutschen Kleinstadt gehört und deren Weltbild ins Wanken gerät, als sie mit einem jungen Ausländer aneinander gerät und sich aus einer Feindschaft eine vorsichtige Freundschaft entwickelt.

Die Ausstellung „Den Opfern einen Namen geben – Opfer rechtsextremer Gewalt seit 1990 in Deutschland“ hat offen vom 4. bis zum 18. Mai 2012. Öffnungszeiten im Justus-Liebig-Haus, Große Bachgasse 2, sind: montags, mittwochs und freitags von 10 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags von 10 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Quelle: Pressestelle der Wissenschaftsstadt Darmstadt

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