Green Move: Erster Hybridbus für Darmstadt


8. April 2011 - 07:48 | von | Kategorie: Umwelt, Verkehr | Artikel drucken
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HybridbusDer umweltfreundliche Hybridbus des niederländischen Herstellers VDL Bus & Coach feiert seine Deutschland-Premiere in Darmstadt. Noch im April 2011 sollen drei VDL Citea SLF Hybrid im Linienbetrieb der südhessischen Metropole eingesetzt werden. Die Hybridbusse sind ein Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »Green Move« des Darmstädter Verkehrsunternehmens HEAG mobilo, der TU Darmstadt, des Antriebsspezialisten Vossloh Kiepe und des niederländischen Busherstellers VDL Bus & Coach und Teil der Modellregion Elektromobilität Rhein-Main, die im Rahmen des Bundesprogramms »Elektromobilität in Modellregionen« gefördert wird.

Leiser und weniger Emissionen
Ziel des Forschungsprojekts ist es, die serielle Antriebstechnik der Hybridbusse so einzustellen, dass das Einsparpotenzial gegenüber herkömmlichen Antrieben im Linienbetrieb optimal ausgenutzt wird. Dabei soll nicht nur der Kraftstoffverbrauch gesenkt, sondern es sollen auch die Emissionen (Partikel, Stickoxide und CO2) verringert werden. Zwischen 20 und 30 Prozent Kraftstoff kann durch die Hybridtechnik eingespart werden. Der Antrieb der Hybridbusse ist zudem äußerst leise. In der sozialwissenschaftlichen Begleitforschung wird darüber hinaus die Akzeptanz der Hybridbusse bei Fahrern und Fahrgästen untersucht.

Energie durch Bremsen
Während bei herkömmlichen Dieselbussen die Bremsenergie ungenutzt bleibt, wird sie beim Hybridbus in Hochleistungskondensatoren (Supercap-Modulen) auf dem Dach des Fahrzeugs zwischengespeichert und beim nächsten Anfahren bzw. Beschleunigen wieder zur Verfügung gestellt. Dieses Prinzip der Rekuperation verringert den Kraftstoffverbrauch erheblich.

Durch Fußgängerzonen elektrisch
Der VDL Citea nutzt ein serielles Hybridsystem, das einen EEV-Dieselmotor, einen Generator, einen Energiespeicher und zwei Elektromotoren in der Hinterachse umfasst. Das Zusammenspiel dieser Komponenten regelt ein Energiemanagementsystem. Strecken- und anforderungsabhängig wird der Arbeitspunkt des Dieselmotors fortlaufend angepasst. Zudem kann der Dieselmotor ausgeschaltet werden, um bestimmte Strecken – wie zum Beispiel Fußgängerzonen – leise und schadstoffarm zu passieren. Insgesamt können bis zu 600 Meter rein elektrisch gefahren werden. Der VDL Citea SLF Hybrid verfügt über zwei Antriebsstrangvarianten – einen kombinierten Diesel-Elektroantrieb und einen voll elektrischen Antrieb (Zero Emission).

Von der Antragstellung bis zur Auslieferung der Fahrzeuge sind 14 Monate intensiver Vorarbeit vergangen. Um die Daten bestmöglich auswerten und vergleichen zu können, sammelt auf der Stadtbuslinie L seit August 2010 ein herkömmlicher Dieselbus als Referenzfahrzeug Daten zum Kraftstoffverbrauch. Der Referenzbus wird auch weiterhin für Zwillingstests auf der Linie eingesetzt.

Elektromobilität hat Tradition
Elektromobilität hat bei der HEAG mobilo Tradition. Seit 1897 fahren Straßenbahnen in Darmstadt mit Strom. Die Rekuperation ist im Straßenbahnbetrieb längst technischer Standard. Alle Bahnen der HEAG mobilo speisen ihre Bremsenergie zurück ins Fahrstromnetz und helfen, den Energieverbrauch zu verringern. Seit 2010 nutzt die HEAG mobilo für ihren gesamten Strombedarf ausschließlich klimaneutralen Ökostrom. Für Geschäftsführer Karl-Heinz Holub ist die Beteiligung der HEAG mobilo an dem Forschungsprojekt ein weiterer Schritt Richtung Nachhaltigkeit: „Sparsame, saubere und leise Fahrzeuge machen den ÖPNV attraktiv. Dabei ist Elektromobilität auch im Busbereich keineswegs neu. Denn mit dem Obusbetrieb von 1944 bis 1963 gab es in Darmstadt schon einmal Elektro-Busbetrieb. Mit den Hybridbussen schlagen wir ein neues Kapitel unserer Verkehrsgeschichte auf.“

Einführung erfolgt schrittweise
Die Einführung der Hybridbusse erfolgt in mehreren Schritten: Bevor die Fahrzeuge in den Linienbetrieb gehen, wird zunächst ein kleines Team von Fahrern für die neue Hybridtechnik geschult. Denn mit ihrem Fahr- bzw. Bremsverhalten beeinflussen die Fahrer die Energiespeicherung. Die ersten Testfahrten auf der Linie L erfolgen noch ohne Fahrgäste. Danach werden die Busse als Verstärkerfahrzeuge auf der Buslinie L eingesetzt. Erst wenn sie ihre Zuverlässigkeit unter Beweis gestellt haben, werden sie herkömmliche Dieselbusse ersetzen und in den regulären Linienbetrieb gehen. Nach Abschluss des Projekts müssen sich die Hybridbusse im betrieblichen Alltag dauerhaft bewähren.

Auffälliges Design
Wie auch der Referenzbus sind die Hybridbusse mit dem Projektlogo „Green Move“ gekennzeichnet. Mit ihrer auffälligen Gestaltung werben sie für das Forschungsprojekt und machen auch die Fahrgäste auf die Hybridtechnologie aufmerksam.

Rund 1,5 Mio. Euro investiert die HEAG mobilo in die neuen Hybridbusse. Etwa 560.000 Euro davon finanziert das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS) im Rahmen des Förderprogramms „Modellregionen Elektromobilität“, das ist etwa die Hälfte der Mehrkosten gegenüber einem herkömmlichen Standardbus.

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) stellt für bundesweit acht Modellregionen rund 130 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II des Bundes zur Verfügung. Koordiniert wird das Programm von der NOW GmbH Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie.

Modellregion Elektromobilität Rhein-Main
Die Modellregion Elektromobilität Rhein-Main versetzt den Ballungsraum und Nordhessen im Jahr 2010 nachhaltig in Bewegung. Die Regionale Projektleitstelle, die bei der Stadtwerke Offenbach Holding GmbH (SOH) angesiedelt ist, koordiniert Projekte, die nahezu alle Formen der E-Mobilität auf den Weg bringen: von E-Rollern und Pedelecs (Elektrofahrräder) über Elektro- und Hybridbusse und Elektroautos bis hin zur Erprobung von Hybridnutzfahrzeugen.

Die Modellregion Rhein-Main arbeitet unter dem Label ZEBRA (Zukunft Elektromobilität: Beispielhafte Regionale Anwendungen) eng verzahnt mit dem Projekt „Modellland für die nachhaltige Nutzung von Elektroautos“ der hessischen Nachhaltigkeitsstrategie, angesiedelt beim HMWK, um Elektromobilitätsanwendungen auch nach dem Förderzeitraum langfristig implementieren zu können.

Quelle & Bild: HEAG mobilo GmbH

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