Georg-Moller-Preis 2010 geht an Constanze Joppen und Olivia Haym für ihre Arbeit „Patchwork“ zur Weiterentwicklung der Mollerstadt


29. März 2011 - 07:42 | von | Kategorie: Pressemitteilung | Artikel drucken
  Teilen auf: Twitter | Facebook | Google+ | AddThis

In ihrer Sitzung am 23. März 2011 hat die Jury des Georg-Moller-Preises die Preisträger 2010 einstimmig bestimmt. Baudezernent Dieter Wenzel übergab am Montagabend (28.03.11) die mit 1500 Euro dotierte Auszeichnung an die Preisträgerinnen Constanze Joppen und Olivia Haym für ihre Arbeit „Patchwork“. Einen mit 800 Euro dotierten Sonderpreis übergab der Stadtrat an Erik Beckenbach und Severin Hamm für ihre Arbeit „Das Werkzeug“. Eine besondere Anerkennung (300 Euro) überreichte er an Anna Leischner, Jutta Behnen und Eike Hufnagl für ihre Arbeit „Fundstücke“.

Alle eingereichten Arbeiten stammen aus dem Entwurfsprojekt „Modellversuch Mollerstadt“, das vom Fachgebiet Entwerfen und Stadtentwicklung von Prof. Dr.-Ing. Annette Rudolph-Cleff im Wintersemester 10/11 als Studierendenwettbewerb herausgegeben wurde. Aufgabe war die Entwicklung einer städtebaulichen Vision für das Sanierungsgebiet „innere Mollerstadt“ in Darmstadt als Modellbau-Entwurf.

Unter dem Leitbild „Die Mollerstadt – ein lebendiges Innenstadtquartier für urbane Wohn- und Arbeitsformen“ intendiert das Stadtplanungsamt Darmstadt eine Stadterneuerung, die Wohn- und Arbeits- und Versorgungsverhältnisse aufzuwerten und dabei den Charakter als „Patchwork Stadtteil“ erlebbar zu machen. Dienstleistungsangebote und Einzelhandel im Gebiet sollen dazu gestärkt und zugleich die Wohnattraktivität erhöht werden. Innovative städtische Wohnformen in derzeitigen Leerständen und die direkte Erreichbarkeit der Ladengeschäfte mit dem Auto werden als Potentiale bewertet. Im Fokus der Aufwertung allerdings liegt die Aufenthaltsqualität der Freiräume der inneren Mollerstadt. Sowohl die Verbesserung des Wohnumfeldes im Blockinneren als auch die Neugestaltung der Platz- und Straßenräume zwischen den Blöcken sind zentrale Entwicklungsziele des Sanierungsvorhabens.

In Anlehnung daran sollten die Studierenden in ihren Entwürfen zur Mollerstadt Visionen von einem lebendigen Stadtquartier entwickeln. Dabei sollte das Gebiet als eigenständiger Stadtteil mit unverwechselbarem Charakter erhalten, und nicht als Konkurrenz zum Citybereich mit seinen Fußgängerzonen gedacht werden.

Der von der Stadt Darmstadt ausgeschriebene Georg-Moller-Preis wird in Erinnerung an das Werk Georg Mollers für Studierende des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt ausgelobt und für Studienarbeiten vergeben, die sich auf Darmstädter Bau- und Planungsaufgaben beziehen. Der Preis wurde 1989 erstmals verliehen. Seit 2000 wird das Preisgeld in Höhe von 2.600 Euro von der Bauverein AG gestiftet. Der Preis soll „in schöpferischer Verknüpfung mit Theorie und Praxis die Auseinandersetzung mit realen und städtebaulichen Fragestellungen unserer Stadt fördern“. Zu dem soll laut Satzung „das fachliche Gespräch zwischen Stadt Darmstadt, der Bauverein AG und der Technischen Universität belebt werden“.

Der bedeutende Architekt und Bauforscher Georg Moller (1784-1852) hatte als Leiter des Hessischen Staatsbauwesens mit seinen städtebaulichen Planungen die bürgerlich-klassizistische Struktur des Darmstädter Stadtgrundrisses und das Stadtbild mit wesentlichen Bauwerken maßgebend geprägt.

Die Jury hat ihre Entscheidung für die Wahl der Preisträgerinnen wie folgt begründet: „Die Arbeit „Patchwork“ von Constanze Joppen und Olivia Haym zeigt eine umfassende Vision der zukünftigen inneren Mollerstadt – ein vielschichtiges Bild eines selbstbewussten Stadtquartiers. Die Verfasserinnen thematisieren und verstärken den vorgefundenen Patchwork-Charakter im Sinne eines durchmischten, lebendigen, urbanen Stadtteils, ohne notwendige Ordnungsmaßnahmen zu vernachlässigen.“

Zum Sonderpreis schreibt die Jury: „Die Arbeit von Erik Beckenbach und Severin Hamm behandelt die Aufgabe schwerpunktmäßig auf der baustrukturellen Ebene in visionärer, weit vorgreifender Weise. Die vorgefundene Struktur aus neun großen Blöcken wird dazu zerschnitten, entlang der Schnittkanten ergänzt und so in eine feinere Körnung transformiert. In dieser Bearbeitung entstehen neue, interessante Typologien zwischen Blockrand und Hofhaus als Kombinationen alter und neuer Bauten, deren Zwischenräume als neue, fußläufige Erschließung der Mollerstadt dienen.“

Zum Beitrag „Fundstücke“ heißt es im Jurytext: „Die Arbeit von Anna Leischner, Jutta Behnen und Eike Hufnagl unternimmt einen behutsamen, punktuellen Zugriff auf die innere Mollerstadt. Sie beschränkt sich auf baulicher Ebene auf kleine, ordnende Abrissmaßnahmen, und fokussiert auf die Widmung, Bespielung und Aufwertung vorgefundener Freiräume. Die vorgeschlagenen Eingriffe scheinen besonders geeignet, den informellen, von Kleingewerbe und Einzelhandel geprägten Charme der bestehenden Mollerstadt zu erhalten und zu stärken.“

Die Jury setzte sich zusammen aus:
Oberbürgermeister Walter Hoffmann
Dieter Wenzel, Stadtrat
Dr. Harald Kissel, Stadtplanungsamt
Dr. Hans-Jürgen Braun, Bauverein AG
Klaus-Peter Schorr, Bauverein AG
Prof. em. Stefan Görner, ehemals Fachgebiet Entwerfen und Stadtentwicklung
Prof. Johann Eisele, Fachgebiet Entwerfen und Baugestaltung
Prof. Dr.-Ing. Annette Rudolph-Cleff, Fachgebiet Entwerfen und Stadtentwicklung
Britta Eiermann und Bjoern Hekmati, Wiss. Mitarb. Fachgebiet Entwerfen und Stadtentwicklung

Quelle: Pressestelle der Wissenschaftsstadt Darmstadt

Teilen auf: Twitter | Facebook | Google+ | AddThis

Tags: , , , , , , ,




Kommentar verfassen