Darmstädter Wissenschaftler beschreibt 26 neue Frosch- und Reptilienarten aus Madagaskar


17. Januar 2011 - 12:25 | von | Kategorie: Wissenschaft | Artikel drucken
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Boophis luciae - Grüner BaumfroschDie Vereinten Nationen haben die Jahre 2011 bis 2020 zur „Dekade der biologischen Vielfalt“ ernannt. Sie haben die Erfassung und den Erhalt der globalen Artenvielfalt zum Ziel.

Dem ‚Mikrokontinent‘ Madagaskar kommt aus dieser Sicht global eine zentrale Rolle zu: Zum einen ist er sehr artenreich und weist einen äußerst hohen Endemismusgrad bei Flora und Fauna auf. Das heißt, viele Pflanzen und Tiere befinden sich ausschließlich auf Madagaskar. Und zum anderen sind seine artenreichen und einzigartigen Lebensräume wie kaum andernorts durch Zerstörung bedroht. Diese Bedrohung hat sich nochmals alarmierend verschärft, seit Madagaskar Anfang 2009 in eine politische Krise stürzte, in deren Folge der effektive Schutz bestehender Reservate und Nationalparks durch eine allgemeine gesellschaftliche Unordnung und gezielten Raubbau mittlerweile kaum noch existent ist.

Dennoch, oder gerade deswegen, ist Madagaskar ein hotspot der biologischen Forschung. An der Erforschung der Insel im Indischen Ozean ist das Hessische Landesmuseum Darmstadt seit 2006 maßgeblich beteiligt. Zusammen mit Kollegen konnte der auf Amphibien und Reptilien spezialisierte Zoologe Dr. Jörn Köhler belegen, dass es mindestens doppelt so viele Froscharten auf Madagaskar gibt, wie derzeit offiziell erfasst sind. Dies bedeutet, mehrere hundert neue Arten sind bereits identifiziert, müssen aber noch wissenschaftlich beschrieben und benannt werden.

Das Jahr 2010 war bezüglich der Neubeschreibungen und -entdeckungen von Madagaskar-Arten besonders produktiv. Zusammen mit Dr. Frank Glaw (Zoologische Staatssammlung München) und Prof. Dr. Miguel Vences (TU Braunschweig) wurden von Dr. Köhler allein im vergangenen Jahr insgesamt 23 neue Froscharten und 3 neue Reptilienarten publiziert. Darunter teilweise recht unscheinbare Vertreter, die nur Spezialisten als „neu“ erkennen können, aber auch bemerkenswert bunte und bizarre Arten, die offenbar noch kein anderer Wissenschaftler zuvor in den Händen hielt. Zu letzteren Vertretern zählt beispielsweise ein buntes Chamäleon, welches Calumma tarzan getauft wurde, und nur noch in kleinen Regenwaldresten der Ostküste vorkommt oder auch eine beinlose, im Sand grabende Mini-Echse. Unter den Fröschen ist ein dicker, kurzbeiniger Frosch namens Rhombophryne matavy (Madegassisch ‚matavy‘ = fett) bemerkenswert, welcher die meiste Zeit seines Lebens eingegraben im Boden verbringt und nur bei starkem Regen zur Fortpflanzung an die Oberfläche kommt. Für Laien erscheinen jedoch die Baumfrösche der Gattung Boophis besonders attraktiv.

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt unterstützt mit seinen Studien die Erfassung und Erforschung der Artenvielfalt und möchte zum Schutz der einzigartigen Lebensräume der tropischen Insel beitragen.

Quelle: Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Foto: Jörn Köhler, Hessisches Landesmuseum Darmstadt

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