Mitmachaktion „Ich kauf per Rad“ startet am 12. Juni 2010 mit Fahrradaktionstag


9. Juni 2010 - 09:30 | von | Kategorie: Umwelt, Verkehr | Artikel drucken
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‚Fühlen sich Radfahrer in Darmstadts Geschäften willkommen?’ – ausgehend von dieser zentralen Frage haben ADFC, BUND, GRÜNE und IVDA in Darmstadt die Mitmachaktion ‚Ich-kauf-per-Rad’ für Radfahrerinnen und Radfahrer in Darmstadt entwickelt, mit der die Geschäftstreibenden für die Bedeutung des Radverkehrs für den Einzelhandel und die Bedürfnisse ihrer radfahrenden Kunden sensibilisiert werden sollen. Zum Auftakt der Aktion findet am 12. Juni 2010 ein großer Fahrradaktionstag auf dem Friedensplatz statt.

„Mit dem Fahrrad zum Bäcker um die Ecke, in die Innenstadt zum Einkaufen oder in’s Cafe und zum abendlichen Kneipenbesuch in den benachbarten Stadtteil – wer als Radfahrer den schlaglochübersäten und manchmal nicht ganz ungefährlichen Weg überstanden hat, auf den warten am Zielort häufig schon die nächsten Probleme: Wo das Fahrrad abstellen? Wie die schweren Taschen nach Hause bringen? Wo den Fahrradanhänger sicher parken?“ umreißt Felix Weidner, Sprecher des Arbeitskreises Stadtentwicklung und Mobilität des Darmstädter Kreisverbandes der GRÜNEN, einen für die Radverkehrsförderung essenziellen Aspekt, der bisher jedoch nur wenig Beachtung bei Einzelhändler wie städtischen Planern findet.

„Viel zu selten sind Geschäft bisher auf die Bedürfnisse radfahrender Kunden eingestellt.“ ergänzt Thomas Grän vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club Darmstadt e.V. (ADFC) die Bestandaufnahme: „Häufig fehlt es schon an der Möglichkeit, das Fahrrad sicher vor Beschädigung und Diebstahl und zudem nah zu parken. Spätestens wenn es um eine vorübergehende Gepäckaufbewahrung oder sogar einen Lieferservice für große Einkäufe geht, ist heute kaum ein Geschäft auf die Bedürfnisse der Radfahrer vorbereitet.“

„Dabei sind Radfahrer wichtige Kunden für den Einzelhandel: Laut Bürgerbefragung werden über 20% der Wege zum täglichen Einkauf oder in die Innenstadt heute mit dem Fahrrad zurückgelegt – mit dem Auto sind auch nur knapp 25% unterwegs. Und auch wenn Autofahrer je Einkauf mehr Geld in den Geschäften lassen, über das Jahr gesehen kommen Radfahrer und Fußgänger häufiger in die Läden und sind in Summe die besseren Kunden.“ zitiert Stefan Opitz, Vorstandssprecher des Vereins für Innovative Verkehrssysteme Darmstadt e.V. (IVDA), eine Untersuchung der TU Dresden, wonach Radfahrer rund 10% und Fußgänger sogar rund 23% mehr Geld im Jahresverlauf beim Einkaufen ausgeben als Autofahrer (vgl. auch Informationsblatt zur Aktion „Einkaufen mit dem Fahrrad – Marketinghinweise für den Darmstädter Einzelhandel“).

Dabei gebe es gravierende Unterschiede zwischen den Ort, wo diese Einkäufe getätigt werden, erläutert Georg Mehlhart vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND): „Die Einkaufsausgaben der Radfahrer wandern mit Sicherheit nicht in die Kassen von desintegrierten Einzelhandelsstandorten auf der ehemals Grünen Wiese von LOOP5 & Co sondern bleiben im Quartier bzw. in der Innenstadt. Gute Angebote für Radfahrer sind das beste Mittel zur Förderung eines lebendigen Einzelhandels in der Stadt.“

Doch weder bei der Stadt noch bei den meisten Geschäftsleuten scheine dies bisher eine Rolle zu spielen: „Radfahrer fristen eher ein Schattendasein und werden im besten Fall als ‚unschädlich’ geduldet, während der laute Ruf nach mehr und am besten kostenlosen PKWStellplätzen der Geschäftsinhaber in der Endlosschleife läuft.“ ziehen die Organisatoren unisono Bilanz der aktuellen Situation. Das sich daran etwas ändere sei nur zu erwarten, wenn Radfahrer präsenter in den Geschäften werden und selber aktiv bessere Bedingungen für radelnde Kunden fordern – von Stadt und Handel gleichermaßen.

Das sollen die Radfahrer in Darmstadt im Rahmen der Aktion ‚Ich-kauf-per-Rad’ in den kommenden zwei Monaten mit ‚Lob- und Kritikkarten’ tun. „Mit den Karten, die man einfach im Portemonnaie mitnehmen kann, wollen wir den Radfahrern eine einfache Möglichkeit geben zu zeigen ‚Schau her, hier bin ich, ich kaufe bei Dir ein’. Und mit der Bewertung verschiedener Aspekte wie den Fahrradabstellmöglichkeiten bekommt der Einzelhändler auch gleich ein qualifiziertes Feedback zur Situation vor Ort und eventuell ein paar Hinweise, wie er noch attraktiver werden kann.“ erläutert Weidner. Die Wirkung an Orten wie der Innenstadt sei dabei eine mittelbare: „Zunächst müssen die Einzelhändler erkennen, was Sie am Radverkehr haben. Das wiederum schafft die Basis auch für die Stadt, endlich beispielsweise die völlig unbefriedigende Abstellsituation für Fahrräder in der Innenstadt anzugehen.“

Zusätzliche Hinweise für die Einzelhändler haben die Organisatoren auch in einer Information für die Einzelhändler zusammengestellt. „Wir wollen mit der Aktion keine Konfrontation erreichen, sondern die Basis für einen Dialog schaffen. Daher ist die Information der Einzelhändler über die Bedürfnisse der Radfahrer und die Verbesserungsmöglichkeiten ein elementarer Bestandteil des Aktion.“ erläutert Grän. Die Händler bekommen die Information daher in den kommenden Tagen z.B. über den Newsletter des Darmstädter Citymarketings. „Wir freuen uns, dass das Thema Radverkehr zumindest beim Citymarketing auch langsam ankommt und wir damit den Einzelhändlern bereits im Vorfeld ein paar Informationen zukommen lassen können. Die IHK hat sich dagegen sogar der Bitte verweigert, einen kurzen Hinweis in ihre Verbandszeitung aufzunehmen. Der Horizont der dortigen Akteure reicht offensichtlich leider unverändert nur vom Lenkrad bis zur Motorhaube.“ ärgert sich Weidner über die Engstirnigkeit der Kammer.

Um die per ‚Lob- und Kritikkarte’ abgegebenen Bewertungen auch öffentlich zu dokumentieren gibt es ab Aktionsstart auch die Möglichkeit, diese auf der Webseite www.ich-kauf-per-rad.de einzutragen. „Spätestens dann kann die Bewertung nicht mehr ignoriert werden. Und auf Basis der gesammelten Bewertungen küren wir zum Ende der Aktion im Rahmen der Umweltbörse am 21. August das fahrradfreundlichste Geschäft Darmstadts.“ kündigt Opitz an und ergänzt: „Unter den Teilnehmern auf der Webseite können wir dank der Unterstützung der Sponsoren zudem noch einige attraktive Preise verlosen.“ Hauptpreis ist ein Faltrad vom Typ birdy des Darmstädter Fahrradherstellers riese und müller.

Eine Probefahrt auf dem Hauptpreis sowie eine nähere Begutachtung der weiteren Preise wie Fahrradanhänger, Fahrradtaschen ist auch am großen Fahrradaktionstag am 12. Juni 2010 von 11 bis 17 Uhr möglich, der den offiziellen Start der Aktion markiert. Rund um das Reiterdenkmal am Darmstädter Schloss werden dabei zahlreiche interessante Angebote rund um’s Fahrrad geboten – Hauptattraktion ist es eine vollautomatische Fahrradwaschanlage. Weiterhin werden unter anderem Fahrradcodierung, eBike-, Lastenfahrrad und Anhängerausstellung und -probefahrten, Alltagsradkleidung zum Informieren und Testen, Informationen und Gewinnspiel zu Radabstellanlagen und ‚Felgenkillerdemonstration’ geboten. Eine Hüpfburg für die Kleinen und verschiedene weitere Test- und Mitmachangebote für die Großen runden das Programm ab.

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