Franklin Medaille für Gerhard Sessler


16. April 2010 - 08:09 | von | Kategorie: Wissenschaft | Artikel drucken
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Technische Universität DarmstadtFür seine Entwicklungen und Patente, darunter das bahnbrechende Elektret-Mikrofon, wird Professor Dr. Gerhard M. Sessler mit der Benjamin Franklin Medaille für Elektrotechnik ausgezeichnet. Gerhard M. Sessler, emeritierter Professor am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der Technischen Universität Darmstadt, erhält die Auszeichnung am Donnerstag, den 29. April 2010, vom Franklin Institute in Philadelphia. Zeitgleich wird auch Dr. James E. West, der Mit-Erfinder des Elektret-Mikrofons, mit der Benjamin Franklin Medaille 2010 im Bereich Elektrotechnik ausgezeichnet.

Gerhard Sessler, 1931 in Rosenfeld (Württemberg) geboren, studierte Physik in Freiburg, München und Göttingen. Dort erwarb er 1957 sein Diplom und promovierte 1959. Nach seiner Promotion wechselte er zu den Bell Laboratories in den USA, wo er von 1959 bis 1975 forschte. Dort entwickelte er gemeinsam mit Dr. James E. West im Jahre 1962 das Elektret-Mikrofon. Es ist heute mit 80 bis 90 Prozent aller weltweit hergestellten Mikrofone weit verbreitet. Elektret-Mikrofone sind leistungsstark, klein und billig. Sie werden deshalb in großer Stückzahl (über zwei Milliarden pro Jahr) hergestellt und finden Anwendung in Hörgeräten, Telefonen, Videokameras sowie Rundfunk- und Fernseh-Mikrofonen.

Elektret-Mikrofone sind Kondensator-Mikrofone. Sie bestehen aus einer dünnen, metallisierten Membran, welche vor einer festen Gegenelektrode angebracht ist. Beim konventionellen Kondensator-Mikrofon wird der aus Membran und Gegenelektrode bestehende Kondensator mit einer Gleichspannung polarisiert. Dadurch entsteht bei Bewegung der Membran durch eine Schallwelle eine Ausgangsspannung, die proportional zum Schalldruck ist. Das Mikrofon verwandelt also Schall in ein elektrisches Signal. Beim Elektret-Mikrofon wird die Gleichspannung durch eine permanente Aufladung der Membran oder einer auf der Gegenelektrode sitzenden Kunststoffschicht ersetzt. Als Elektret-Schichten eignen sich besonders Fluorocarbon-Polymere, welche die eingebrachten elektrischen Ladungen über Jahrzehnte speichern und damit dem Elektret-Mikrofon eine große Lebensdauer verleihen.

1975 wurde Gerhard Sessler an die – damals noch – Technische Hochschule Darmstadt auf die Professur Elektroakustik berufen. Sessler und seine Mitarbeiter entwickelten in den 1980er Jahren das erste Silizium-Kondensator-Mikrofon, eine höchst innovative Technologie, die die Produktion von tausenden von Kleinst-Mikrofonen auf einer einzigen Silizium-Scheibe ermöglicht. Silizium-Mikrofone werden heute ca. 400 Millionen Mal pro Jahr verkauft und vor allem in Mobiltelefonen eingesetzt.

Prof. Sessler ist Träger zahlreicher Auszeichnungen wie die George R. Stibitz Trophy 1993, die Helmholtz-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Akustik 1993, die silberne Helmholtz-Rayleigh-Medaille der Acoustical Society of America 1997, den Technologiepreis der Eduard-Rhein-Stiftung 2007 und den VDE-Ehrenring des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik 2008. 1999 wurde Sessler in die National Inventors Hall of Fame der USA aufgenommen. Sessler ist außerdem Ehrendoktor der Weißrussischen Akademie der Wissenschaften, Korrespondierendes Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und außerordentliches Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech).

Das 1824 gegründete Franklin Institut ist nach Benjamin Franklin, einem der Gründerväter der USA benannt und widmet sich der Wissenschaftsvermittlung. Bereits seit 1833 vergibt das Institut Preise an herausragenden Forscherpersönlichkeiten. Zu den vom Franklin Institute ausgezeichneten Persönlichkeiten gehören Bell, Pierre und Marie Curie, Diesel, Edison, Bohr, Planck, Einstein und Hawking. Seit 1998 werden die Benjamin Franklin Medaillen verliehen. Jedes Jahr werden Preisträger aus verschiedenen Disziplinen, wie Chemie, Computerwissenschaften, Geowissenschaften, Lebenswissenschaften und Physik ausgewählt. 2010 findet die Verleihung dieser hochrangigen Auszeichnungen am 29. April vor über 800 ausgewählten Gästen im Benjamin Franklin National Memorial in Philadelphia, USA, statt.

Quelle: TU Darmstadt

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