Darmstadt Whippets: Aufstiegsmöglichkeit in die erste Bundesliga mit bitterem Beigeschmack


1. September 2009 - 18:14 | von | Kategorie: Sport | Artikel drucken
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Darmstadt WhippetsDie Whippets konnten am Sonntag (30.08.09) in Regensburg – dem Tabellenführer der zweiten (und mit ihrer ersten Mannschaft übrigens auch der ersten) Bundesliga – den sportlichen Aufstieg in die erste Bundesliga durch den 16:8 Erfolg im zweiten Spiel des Tages perfekt machen. Der Jubel aber fiel vehalten aus, denn zwei Spieler aus Darmstadt mussten nach einer Kollision im Outfield ins Krankenhaus eingeliefert werden und die Nacht dort verbringen. Aber eins nach dem anderen.

Motiviert durch die Tatsache, dass nur ein einziger Sieg in den letzten vier Spielen der Saison das direkte Aufstiegsrecht in die höchste deutsche Spielklasse bedeuten würde, traten die Darmstädter am Samstagmorgen die lange Fahrt nach Regensburg an. Die dort beheimateten Legionäre besitzen – da auf ihrem Feld in Kürze die Vorrundenspiele der Weltmeisterschaft ausgetragen werden – das Juwel der deutschen Baseballplätze. Mit einem momentanen Fassungsvermögen von ca. 11.000 Zuschauern ist es auf jeden Fall die mit Abstand größte Baseball-Arena im Land.

Spiel 1 – erste Chance vertan

Regensburg trat im Gegensatz zum letzten Spiel in Ladenburg – als ihre erste Mannschaft noch im Rennen um die Deutsche Meisterschaft war – mit ihrer Optimalbesetzung an. Große Namen des deutschen Baseballsports standen auf der Lineup der Gastgeber, darunter etliche Nationalspieler verschiedener Altersklassen. So fand sich Jason Mills, der das erste Spiel für die Whippets auf dem Werferhügel bestreiten sollte, im direkten Duell mit Benedikt Antwi wieder – einem Werfer der deutschen U21 Nationalmannschaft.

Als Auswärtsmannschaft erhielt Darmstadt zuerst das Schlagrecht und zeigte sich wenig beeindruckt von den großen Namen des Gegners. Lead-Off Fabian Araya Ramos konnte mit einem schönen Linedrive ins rechte Centerfield sofort ein Ausrufezeichen setzen und nach zwei Walks waren die Bases schon im ersten Inning geladen. Auch Jörn Bremer fackelte bei seinem ersten At-bat nicht lange und schlug Ramos zur 1:0 Führung nach Hause, bevor Antwi seine Klasse zeigen konnte und mit drei Strikeouts in Folge das Inning eigenständig beendete. Hier wäre durchaus Luft nach oben gewesen, hatte man doch drei Läufer mit keinem Aus auf Base bringen können.

Diese knappe Führung konnte Darmstadt bis in das zweite Inning behaupten, denn nach drei Schlagleuten der Gastgeber wechselte das Schlagrecht, begünstigt durch ein sehenswertes Double Play, wieder die Seiten.

Antwi ließ zwar im zweiten Inning erneut einen Hit zu und bei einem Aus einen Läufer aus Darmstadt in Scoring Position vorrücken, es gelang der Darmstädter Offensive aber nicht, Kapital daraus zu schlagen. Nun hatte auch Regensburg die Schläger ausgepackt und konnten nach einem Walk, einem Hit-by-Pitch und zwei Hits zwei Punkte erzielen. Dies bedeutete den zwischenzeitlichen 2:1 Rückstand für Darmstadt.

Inning drei bot für die Whippets wieder optimale Möglichkeiten zu punkten; die Bases konnten abermals bei nur einem Aus geladen werden. Über das eine Pünktchen zum Ausgleich kamen die Whippets aber nicht hinaus, denn Antwi beendete dann erneut das Inning durch drei Strikeouts. Aber auch Regensburg konnte trotz guter Kontakte am Schlag nicht punkten, denn Mills und seine Defensive leisteten sich keine Unkonzentriertheiten.

Im vierten und fünfen Innings sollte das Spiel dann eine vorentscheidende Wendung nehmen. Im Vierten konnte Darmstadt zwar noch durch Hits von Straßner und Bremer sowie durch zwei Fehler der Regensburger Defensive mit 5:2 in Führung gehen, doch im fünften Inning zeigten die Regensburger dann aber, warum sie als die offensivstärkste Mannschaft der Liga gehandelt werden. Der Catcher der deutschen Nationalmannschaft, Christopher Howard (der die Liga im Schlagdurchschnitt und bei Doubles anführt), konnte seinem Konto ein weiteres Double und zwei RBIs hinzufügen und bestrafte den in Inning fünf und sechs strauchelnden Mills. Dieser fand zwar schnell seine Kontrolle wieder, jedoch hatten die Legionäre nun Blut geleckt: zwei weitere Doubles und ein Single später hatten sie die Führung wieder übernommen und bauten diese in Inning sechs noch auf 8:5 aus. Antwi konnte weitere Punkte bis zum Spielende verhindern. Hoffnung keimte im letzten Inning noch einmal auf, als bei einem Aus erneut die Bases geladen wurden und Darmstadt stärkster Schlagmann Jason Lillebo an den Schlag kam und den Siegpunkt repräsentierte. Leider gelang den Legionären ein „5-2-1-Double Play“, um das Spiel schnell zu beenden.

Coach Könecke, der sich zwei der drei mitgereisten Darmstädter Pitcher (auch wenn Lillebo auf Grund einer Verletzung nur beschränkt einsatzfähig war) für Spiel zwei aufgespart hatte, machte seinen Schützlingen noch einmal Mut und betonte, dass schon das Spielen auf Augenhöhe mit diesem starken Gegner ein großer Erfolg sei. Man hatte sich aber etwas mehr vorgenommen und hoffte weiterhin auf einen Sieg im zweiten Spiel.

Spiel 2 – Whippets gewinnen klar, bezahlen aber auch einen hohen Preis

Dass Pitcherduell zu Beginn der zweiten Partie des Tages lautete Hess gegen Niederhagen. Swen Hess erwischte den klar besseren Start – Darmstadt lag zwar nach dem ersten Inning mit 1:2 hinten, konnte aber zu Beginn des zweiten Innings das Spiel vermeintlich durch neun (!) erzielte Punkte vorentscheiden. Niederhagen hatte zu Beginn dieses zweiten innings mit seiner Kontrolle zu kämpfen und musste die ersten vier Schläger aus Darmstadt nach vier Fehlwürfen auf das erste Base vorrücken lassen, bevor er durch Jonathan Eisenhut, einen der besten Werfer der Liga, abgelöst wurde. Doch auch Eisenhut fand kein Mittel gegen Darmstadts Siegeswillen. Er gab direkt „Back-to-back“ Hits, darunter ein „Bases Clearing 3 Run Triple“ von Shortstop Ramos, ab. So stand es Mitte des zweiten Innings 10:2 für Darmstadt und man war sich recht sicher, das Spiel als Sieg buchen zu können. Doch während des folgenden Schlagrechts der Gastgeber mussten die Zuschauer eine erschreckende Szene mitansehen, die den weiteren Spielverlauf deutlich beeinflussen sollte.

Gewohnt souverän sorgte Shortstop Ramos für das erste Aus und auch der von Regensburgs Designated Hitter Antwi geschlagene Ball schien fangbar. Centerfielder Radoslav „Rado“ Natchev und Rightfielder Patrick „Paddy“ Runkel näherten sich in vollem Sprint der Stelle, an der der Ball auf den Boden fallen sollte. Beide gaben dem jeweils Anderen das verbale Signal den Ball fangen zu wollen und sprangen ab. Für beide war es jedoch schon zu spät, um noch stoppen oder ausweichen zu können und so rauschten sie ineinander und blieben regungslos am Boden liegen.

Sofort stürmten Helfer herbei und versuchten erste Hilfe zu leisten. Beide Spieler konnten kaum atmen und spuckten Blut. Mit Verdacht auf Milzanriss und Gehirnerschütterung wurden beide sofort ins Krankenhaus gebracht, wo sich später wenigstens der ernste Verdacht auf Milzanriss als falsch erwies. Schlüsselbeinbruch, Gehirnerschütterung und geplatzte Lungenbläschen ergab die Diagnose der Ärzte später. Beide Spieler mussten daher die Nacht im Regensburger Krankenhaus verbringen.

Auf dem Platz hatte Coach Könecke nun zumindest nicht die Qual der Wahl, denn es waren nur noch 10 Mann übrig geblieben, um den Versuch zu starten, wenigstens die nun so teuer erkaufte Führung über die Zeit zu retten. Zum Glück hatte sich Verbandsligaspieler Simon Fuchs aus der zweiten Mannschaft der Whippets in den letzten Trainingseinheiten durch gute Leistung empfohlen und war mit nach Regensburg gereist, denn er sollte nun den verletzten Runkel im Rightfield ersetzen. Der Pitcher des ersten Spiels, Jason Mills, übernahm von Andre Spies die Aufgabe als Catcher, denn Spies musste Natchev im Centerfield vertreten.

Zwar schaffte man es, das Inning durch einen Baserunningfehler der Regensburger durch ein Doubleplay schnell zu beenden, aber da die Spieler mental noch bei den verletzten Teamkameraden waren, kam man in der Offensive nicht weiter und auch Pitcher Hess musste erst wieder seinen Rhythmus finden.

Als in Inning 3 ein Bunt gespielt wurde, hatten einige Defensivspieler aus Regensurg erhöhten Diskussionsbedarf, da sie der Meinung waren, dass bei 7 Punkten Vorsprung nicht mehr gebuntet werden dürfte.

Warum man aus Darmstädter Sicht so viel Respekt vor Regensburg hatte, hatte sich in Spiel eins gezeigt und das sollte sich auch im folgenden Halbinning wieder zeigen.

Regensburg nutzte Schwächen der nervlich etwas mitgenommenen Darmstädter Defensive und erzielte 4 Punkte, die Whippets-Führung schmolz mit 10:8 auf 2 Punkte zusammen – das Spiel war wieder völlig offen. Wach gerüttelt besann sich Pitcher Hess wieder auf seine Stärken und ließ keine weiteren Punkte zu. Später im 5. Inning wurde Hess durch den letzten verfügbaren Spieler der Whippets, Lillebo, abgelöst, der ebenfalls den Legionären weitere Punkte verwehrte. Auch die Offensive aus Darmstadt schien zu realisieren, dass zwei Verletzungen und eine Niederlage mehr schmerzten als zwei Verletzungen und ein Sieg. Da man an ersterem nichts mehr ändern konnte, begann man daher wieder, Punkte zu erzielen. So schaffte man es, das Spiel mit dem Endergebnis von 16:8 für Darmstadt zu beenden – sicher auch ein kleines Trostpflaster für Natchev und Runkel.

Positiv ist zu bemerken, dass Fuchs im Verlauf seines ersten Einsatzes seinen verletzten Vorgänger gut ersetzen konnte und auch in der Offensive einen Basehit und einen Run für die Whippets erzielte. Auch 2nd Baseman Benni „U-Rex“ Uhl konnte sich nach guten Leistungen in den letzten Spielen seinen ersten Hit gutschreiben lassen. Schließlich überzeugte auch der neue Catcher Mills auf der ihm völlig ungewohnten Position und man freut sich, hier eine mögliche weitere Alternative zum verletzten Stammcatcher Rühl gefunden zu haben.

Offensiv überzeugten besonders (Hits, Runs, RBIs): Jörn Bremer (4, 3, 4), Simon Fuchs (1, 1, 0), Rado Natchev (2, 1, 1), Fabian Araya Ramos (3, 3, 4), Micky Straßner (3, 3, 1) und Andre Spies (2, 2, 4).

Zudem konnten alle Spieler im zweiten Spiel mindestens einen Punkt erzielen, was eindeutig auf die durchweg guten Leistungen des gesamten Teams in der Offensive hinweist.

Nach dem Spielende fand Coach Könecke, außer zum Vorfall im zweiten Inning, größtenteils positive Worte für die gezeigte Leistung seiner Mannschaft.

Aufstieg ?!?

Nun muss man sich im Lager der Whippets Gedanken machen, ob man die nötigen finanziellen Mittel besitzt, um schon in der nächsten Saison in der höchsten Klasse, der 1. Baseball-Bundesliga, spielen zu können. Die Whippets besitzen im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen der Bundesliga noch keinen großen Sponsor. Man finanziert sich zum größten Teil selbst und produzierte in der Vergangenheit durch exzellente Jugendarbeit genug Potential, um den sportlichen Aufstieg fast ausschließlich durch eigenen Nachwuchs des Vereins zu schaffen.

Somit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Aufstiegsrecht an die viertplatzierten Neuenburg Atomics abgetreten wird und die Whippets im nächsten Jahr erneut versuchen, die Spitze der Zweitliga-Tabelle zu erklimmen. Sollte dies gelingen, bleibt zu hoffen, dass der Verein bis dahin an Größe und Finanzkraft gewonnen haben wird, um den Aufstieg zu ermöglichen.

Quelle: Baseball-Club Darmstadt Whippets 1992 e.V.

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