Hans-Joachim und Gisa Sander-Stiftung errichtet Museumsneubau im Alexandraweg


25. Juli 2009 - 07:44 | von | Kategorie: Kultur | Artikel drucken
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Ernst-Ludwig-Haus

Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt hat in seiner Sitzung am Mittwoch (22.07.09) der Vergabe einer Teilfläche von 1.100 Quadratmetern des Grundstücks Alexandraweg 24 im Erbbaurecht zugunsten der Hans-Joachim und Gisa Sander-Stiftung zugestimmt.

Die Kunstsammler Hans-Joachim Sander und Gisa Sander werden auf dem städtischen Gelände auf eigene Kosten einen Museumsneubau errichten und dort einen Teil ihrer umfangreichen Gemäldesammlung mit Darmstadtbezug der Öffentlichkeit zugänglich machen. Es handelt sich dabei um Malerei Darmstädter Künstler des 18., 19. und 20. Jahrhunderts. Rund 250 Kunstwerke von hoher kunsthistorischer Bedeutung sollen im neuen Museum auf der Mathildenhöhe gezeigt werden. Wichtig ist dem Sammler- und Stifterpaar der intensive Austausch und die Vernetzung mit den Kunst- und Kulturinstituten der Stadt und der Region. Zudem soll über nationalen und internationalen Leihverkehr von Kunstwerken der Kontakt zu bedeutenden Museen gepflegt und ausgebaut werden, um das Haus innerhalb Deutschlands zu etablieren.

„Seit über 25 Jahren sammeln wir Kunst. Ganz besonders begleitet uns das Thema der Malerei unserer Geburtsstadt, die Gemälde von Künstlern des 18., 19. und 20. Jahrhunderts, die in Darmstadt gelebt und gearbeitet haben. Diesen Bereich unserer Sammlung haben wir über viele Jahre aufgebaut. Mit Gründung der Stiftung wollen wir diesen umfangreichen und ständig wachsenden Teil der Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich machen. Es bedeutet uns sehr viel, dass diese Kunstwerke in einem Museumsneubau auf der Mathildenhöhe an der Stelle, wo ehemals das Hans Christiansen Haus stand, beheimatet sein werden. In diesem Museum soll die besondere Bedeutung unserer Kultur vor allem auch jungen Mitbürgern nahegebracht werden und so zur Integration und zum gegenseitigen Verständnis mit beitragen“, so das Sammlerpaar Sander.

„Ich bin sehr dankbar für das Engagement von Hans-Joachim und Gisa Sander. Unserer Stadt wird das im Krieg zerstörte Haus Christiansen in neuer Form wiedergeschenkt, und die Mathildenhöhe gewinnt das Profil zurück, das Joseph-Maria Olbrich ihr vor über 100 Jahren zugedacht hat. In Zukunft wird es zudem im Alexandraweg ein Museum geben, das in einmaliger Weise die Werke der bedeutendsten Darmstädter Maler des 18. bis 20. Jahrhunderts für die Öffentlichkeit zugänglich macht – ein ganz besonderes Dokument Darmstädter Kunst, das weit über die Stadt hinaus wirken soll und wird“, erläuterte Darmstadts Kulturdezernent, Oberbürgermeister Walter Hoffmann.

Das Haus Christiansen auf der Darmstädter Mathildenhöhe wurde 1901 zur ersten Ausstellung der Künstlerkolonie nach Plänen von Joseph-Maria Olbrich erbaut und im zweiten Weltkrieg zerstört. Ein Wiederaufbau unterblieb, stattdessen wurde die Ruine 1958 abgeräumt und der runde Brunnen des Berliner Bildhauers Karl Hartung an gleicher Stelle aufgebaut. Seit der Wegnahme des Hauses Christiansen ist der auf einer Symmetrieachse angelegte städtebauliche Gesamtplan der ersten Ausstellung der Künstlerkolonie von 1901 gestört. Entsprechend dem Olbrichschen Gartenplan von 1900 soll jetzt als Pendant zum Haus Olbrich an der alten Stelle ein Gebäude errichtet werden, das die Idee Olbrichs mit der engen Beziehung von Künstlerhäusern und Ateliergebäude in einer städtebaulichen Komposition wieder erfahrbar macht.

Die architektonische Lösung an dieser denkmalpflegerisch und städtebaulich bedeutenden und sensiblen Stelle soll mit einem internationalen Architektenwettbewerb gefunden werden, den die Hans-Joachim und Gisa Sander-Stiftung ausloben wird.

Quelle: Stadt Darmstadt – Pressestelle – Pressedienst

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2 Kommentare
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  1. Die Sadtraepresentanz hat 2006 und 2009 festgestellt, daß sich der Neubau anstelle des Christiansenhauses ohne zu kopieren, doch archtektonisch anzulehnen habe. Darüber hat sich die „Fachjury“ mit einem „Hoppla, jetzt komm ich“-Kubus hinweggesetzt. Ein solcher Kubus war wohl inoffiziell als „Aufgabe“ seitens der Initiatoren, den Sanders, vorgegeben, wie sonst wäre deren Zahl erklärlich, obwohl diestädtischen Vorgaben bekannt waren. Die Erteilung des Erbbaurechtes könnte also voreilig gewesen sein, da sich die Interessenten über diese Vorgabe wohl hinwegsetzen wollen. Die Bürgerreakton ist also als Versuch der Notbremse sehr nachvollziehbar, es sei denn, für die Mathildenhöhe bestehe gar nichts, was das Praedikat „Ensembleschutz“ verdiente. – Die Stiftungskonstruktion der Sanders wird dieses Museum zu einem – vermutlichen – Familienbetrieb auf Gemeindegrund in Goldlage machen, da wäre etwas mehr Anpassungsbereitschaft an den „genius loci“ wünschenswert.

  2. Es ist schon ein absoluter Skandal, dass Herrn Sanders die Erlaubnis erteilt wurde, ein unglücklich gelungenes, weit ausgreifendes Privathaus direkt neben eines der wichtigsten architektonischen Manifeste des Jugendstils, die Villa von Peter Behrens, zu setzen. Da muss der Denkmalschutz schwer geschlafen haben, bzw er muss eingeschläfert worden sein. Wie kommt man nun dazu, diesen Unsinn so weit zu treiben, dass man auch noch die Aufsicht auf das ebenfalls weltbekannte Atelierhaus durch einen ähnlich unglücklichen Entwurf verbauen lassen will? Und à propos Privatmuseum – hat man in Darmstadt noch nicht verstanden, dass am Ende die Sammler alle Rechte haben, die staatlichen bzw städtischen Einrichtungen sich jedoch in völlige Abhängigkeit begeben? An abschreckenden Beispielen dieser Art (Bonn, Weimar, Berlin… ) mangelt es doch nicht. Und es gibt doch schon ein schönes, sich gerade in Restaurierung befindliches Museum, warum soll man ihm die Sammlung (wenn es sie denn wirklich gibt) vorenthalten?

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