Emotions (without masks) vom 12. Juli bis 1. November 2009 auf der Mathildenhöhe


8. Juli 2009 - 08:17 | von | Kategorie: Kultur | Artikel drucken
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Nedko Solakov FearsDie schlechte Nachricht zuerst: Es wird keine „Emotions“-Ausstellung auf der Mathildenhöhe Darmstadt geben. Die Kisten mit den Werken bleiben ungeöffnet in den dunklen Ecken der riesigen Ausstellungsräume. Die gute Nachricht: Nedko Solakov hat stattdessen eigens für die Mathildenhöhe eine komplett neue Installation geschaffen – die bislang größte in seinem Oeuvre überhaupt.

„Auf der Mathildenhöhe Darmstadt nutzt Nedko Solakov all seine Talente für eine ‚freundliche Übernahme‘ der besonderen Art“, erklärt Direktor Dr. Ralf Beil das Konzept der Schau. Seine Totalinstallation „Emotions (without masks)“ bespielt insbesondere die aufwändige, dramatisch beleuchtete Ausstellungsarchitektur der vergangenen Ausstellung „Masken. Metamorphosen des Gesichts“: „Aus der abgelegten Larvenhülle, dem Kokon der vergangenen Masken-Ausstellung schlüpft so unverhofft ein neuer Kunst-Schmetterling von eigenwilliger Couleur.“

„Emotions (without masks)“: Das meint neben den Gefühlen, denen Solakov hier unverstellt freien Lauf lässt, auch das im Doppelsinn demaskierte Museum, den Leerraum der vorhergehenden Ausstellung, in dem sich nun die teuflisch-heiteren Maskeraden Solakovs ereignen. Winzige Figuren und handschriftliche Notate bevölkern die Frei-Räume. Es entsteht ein zwischen Traum und Realität changierendes Gesamtkunstwerk, das mit absurden Mikrogeschichten und tragikomischen Denkstücken unseren Blick auf Kunst und Leben herausfordert.

Mit „Emotions (without masks)“ präsentiert die Mathildenhöhe Darmstadt vom 12. Juli bis zum 1. November 2009 eines der faszinierendsten Gegenwartskunstprojekte dieses Sommers. Das Publikum kann den Spuren des Künstlers nicht nur auf den 1000 Quadratmetern des historischen Ausstellungsgebäudes folgen – sie führen ihn bis hinunter in das Wasserreservoir der Mathildenhöhe. Die einzigartige Schau krönt Solakovs große Ausstellungstournee, die vom Institut Mathildenhöhe Darmstadt gemeinsam mit dem Kunstmuseum Bonn und dem Kunstmuseum St. Gallen organisiert wurde.

Zur Ausstellung ist ein aufwändig gestaltetes Katalogbuch mit Texten von Ralf Beil, Stephan Berg, Konrad Bitterli, Georgi Gospodinov und Nedko Solakov im Hatje Cantz Verlag erschienen. Gebunden, 224 S., 196 Abb., 19,7 x 26,7 cm, in der Ausstellung € 30,-, im Buchhandel € 34,-.

Das umfassende Rahmenprogramm zur Ausstellung u.a. mit Künstlergespräch, Vorträgen, Kindertag und Filmvorführungen finden Sie unter: www.mathildenhoehe.eu.

Weitere Informationen zum Werk des Künstlers

Ausgehend von einem Studium der Wandmalerei an der Kunstakademie in Sofia hat Nedko Solakov in den letzten 25 Jahren ein ebenso humorvolles wie verspieltes, ebenso bissiges wie melancholisches Oeuvre entwickelt, das die Gültigkeit jedweden Repräsentationssystems grundsätzlich in Frage stellt.
Solakovs Anspruch zielt, quer durch die vielfältigen Ausformungen seines Werks, auf eine Enzyklopädie des Absurden und Abseitigen, auf eine Geschichte der Abweichungen, Differenzen, Peinlichkeiten und gescheiterten Utopien. Dabei erweist sich der Zusammenbruch des kommunistischen Systems Ende der 80er Jahre als prägende Erfahrung und gleichzeitig als Auftakt für die Suche nach einer neuen, eigenen Sprache, mit der die Komplexität und Fragilität der Wirklichkeit adäquat eingefangen werden kann. „Top Secret“ (1989/90), ein Holzkasten mit Karteikarten, welche eine Zusammenarbeit des jungen Künstlers mit der bulgarischen Staatssicherheit thematisieren, macht das gleichzeitig provokative und jegliche Sicherheit unterlaufende Verfahren des Künstlers auf schlagende Weise deutlich. Seine Zeichnungen, Texte, Videos, Fotografien, Performances, Installationen, Skulpturen und Wandarbeiten kratzen am Lack scheinbarer kollektiver Wahrheiten, hinterfragen die Bedingungen des Kunstsystems und Kunstmarktes („A (not so) White Cube“, 2001 / „Leftovers“, 2005), reflektieren anhand öffentlich gemachter eigener Ängste das Scheitern als Metapher menschlicher Existenz („Fear“, 2002/03 / „Fears“, 2006/07), und entdecken in den politischen Weltläufen die Paradoxie als herrschende Struktur („Announcement“ 1999 / „Discussion (Property)“, 2007).
Solakovs Fähigkeit, all diese unterschiedlichen Themenfelder in Form von Geschichten zu erzählen, die eine präzise Balance zwischen poetisch-rhapsodischer Lust an der Narration und kontinuierlichen ironischen Brüchen halten, macht dieses Werk nicht nur völlig unverwechselbar, sondern auch in hohem Maße unterhaltsam und humorvoll.
Biografische Notizen

Nedko Solakov, geboren 1957 in Cherven Briag, in Sofia lebend, hat 1981 an der Akademie für Bildende Kunst in Sofia bei Mito Ganovski in Wandmalerei abgeschlossen. Ist er zuerst insbesondere im Feld der Malerei tätig, so nimmt er dank seinen Zeichnungen, Objekten, Videos und In-situ-Interventionen spätestens seit Anfang der 1990er Jahre am globalen Kunstgeschehen teil. Die Liste seiner internationalen Ausstellungsbeteiligungen ist lang: Biennale von Venedig (1993, 1995, 1999, 2001, 2003, 2007), Istanbul Biennale (1992, 1995, 2005), São Paulo Biennale (1994), Manifesta 1 (Rotterdam, 1996), Gwangju Biennale, Südkorea (1997, 2002), Lyon Biennale (2000), Biennale Sevilla (2006), Moskau Biennale (2007), Documenta 12, Kassel (2007), Sydney Biennale (2008) und New Orleans Biennale (2008). In den letzten zehn Jahren hat er Einzelausstellungen im Museum Reina Sofia, Madrid, der De Appel Foundation, Amsterdam, im Kunsthaus Zurich sowie im Castello di Rivoli, Turin bestritten. Zwischen 2003 und 2005 beherbergten das Rooseum Center for Contemporary Art in Malmö, Schweden, das Casino Luxembourg – Forum d’art Contemporain, Luxemburg und das O.K. Centrum für Gegenwartskunst, Linz die erste große Retrospektive mit dem Titel „Nedko Solakov. A 12 1/3 (and even more) Year Survey“. Derzeit wird die umfassende thematische Einzelausstellung „Emotions“, gestartet im Kunstmuseum Bonn und weitergereist in das Kunstmuseum St. Gallen, auf der Mathildenhöhe Darmstadt präsentiert – radikal gewandelt in die Totalinstallation „Emotions (without masks)“.

Quelle: Institut Mathildenhöhe

Bild: Ausschnitt aus Nedko Solakov Fears # 70, 2006-2007
From a series of 99 drawings
Sepia, black and white ink and wash on paper; 19 x 28 cm
Courtesy of Arndt & Partner Berlin / Zurich and Galleria Continua, San Gimignano/Beijing
E. Righi Collection, Italy
Photo: Bernd Borchardt, Berlin

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