Zecken auf dem Vormarsch


18. April 2009 - 15:45 | von | Kategorie: Info, Umwelt | Artikel drucken
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Vorsicht Zecken!Der Klimawandel mit seinen warmen und regenreichen Wintermonaten verändert auch die Lebensweise der Zecken. Sie sind jetzt bereits das ganze Jahr aktiv und dringen rasant in neue Lebensräume vor. Damit steigt für Menschen die Gefahr der Übertragung von gefährlichen Infektionen wie Borreliose und der Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME).

In Hessen zählen der Odenwaldkreis, die Landkreise Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Offenbach, Groß-Gerau und Main-Kinzig, die Stadt Darmstadt sowie der Osten des Landkreises Marburg-Biedenkopf zu den Risikogebieten, in denen sich die FSME-übertragenden Zecken gehäuft finden.

Mit der Auwaldzecke breitet sich derzeit eine neue Art in Deutschland aus, die beim Hund die Babesiose – das so genannte Hundemalaria – überträgt. Die Waldexperten der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) raten dringend zu Vorsichtsmaßnahmen bei Aufenthalten in der Natur.

Die Zecke als Überlebenskünstler hat sich offenbar dem veränderten Lebensumfeld angepasst. Sie fällt erst ab einer Temperatur unter sieben Grad in ihren Winterschlaf – fehlende Frosttage sorgen jedoch dafür, dass die Zecken früher in Aktion treten und dass auch ihre Eier unbeschadet überleben. Mit Folgen für Mensch und Tier, denn die Gefahr eines Zeckenbisses bereits in dieser Jahreszeit steigt damit an: Jede dritte Zecke trägt Borrelien, mit der Lyme-Borreliose übertragen wird. Jährlich erkranken rund 50.000 Menschen in Deutschland an dieser gefährlichen Krankheit, die Nervensystem, Gelenke und Gewebe schädigt. „Wer glaubt, dass in seinem Umfeld keine Infektionsgefahr besteht, der täuscht sich, denn überall in Deutschland wird die Borreliose von Zecken übertragen“, erklärt Dr. Wolfgang von Geldern, Präsident des Bundesverbandes der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

Die sog. Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) ist trotz ihres Namens nicht auf diese Jahreszeit beschränkt. Die durch Hirnhaut- oder Gehirn-Entzündung gekennzeichnete Krankheit wird durch Zeckenbisse verursacht. Zecken, die das FSME-Virus übertragen, treten bislang hauptsächlich in den südlichen Landesteilen wie Baden-Württemberg und Bayern auf. Doch diese Risikogebiete mit ihrer FSME-Verbreitung werden seit Jahren kontinuierlich größer. Dr. Wolfgang von Geldern: „Bislang war nur der Süden betroffen, doch die infizierten Zecken sind auf dem Vormarsch weiter nach Norden.“ Die Zecken wandern aufgrund der für sie günstigen Klimaveränderungen in neue Lebensräume vor und wurden von Forschern bereits in Tschechien, Finnland und nur 200 Kilometer vom Polarkreis entfernt entdeckt.Während es keinen Impfstoff gegen die Borreliose gibt, kann man sich vor FSME durch eine Impfung schützen. Die Gesundheitsbehörden empfehlen Menschen, die in den Risikogebieten leben oder dort Urlaub machen wollen, eine Impfung als präventive Maßnahme.

Mit der Auwaldzecke ist eine größere und buntere Zeckenart auf dem Vormarsch, die beim Hund die gefährliche Babesiose überträgt. Die auch als Hundemalaria bezeichnete Krankheit zerstört die roten Blutkörperchen und führt innerhalb weniger Tage nach dem Stich zum Tod. Die Auwaldzecke liebt feuchtere Gebiete wie Auwälder und Moore. Eine neue Studie hat folgende Gebiete mit besonders starker Verbreitung gezeigt: Berlin, Frankfurt, Magdeburg, Leipzig und Tübingen. Tierärzte raten Hundehaltern zu einem frühzeitigen Schutz durch Zeckenhalsbänder und Shampoos mit speziellen Wirkstoffen. Spot-on-Präparate werden direkt auf die Haut aufgetragen oder im Fell verrieben. Diese Schutzmaßnahmen helfen auch bei gewöhnlichen Zecken.

Die Experten der SDW raten zu drei wichtigen Vorsichtsmaßnahmen, damit der Aufenthalt in der Natur zeckenbissfrei und ohne Krankheitsfolgen bleibt.
1. Gebüsch, Unterholz und hohe Gräser meiden, denn Zecken fallen nicht etwa – wie oft behauptet – vom Baum, sondern warten in diesen Bereichen auf ihren Wirt, von dem sie beim Vorbeigehen abgestreift werden.
2. Nach dem Spaziergang unbedingt Kleidung und Körper nach Zecken absuchen. Sie sollten innerhalb von zwölf Stunden entfernt werden, da das Infektionsrisiko mit der Saugdauer steigt. Die gesamte Zecke sollte vorsichtig herausgedreht werden. Die Zecke sollte anschließend unbedingt getötet werden, weil sie auch ohne Blut lange überleben kann.
3. Helle und geschlossene Kleidung schützt vor Zecken. Festes Schuhwerk und lange Hosen erschweren der Zecke das Finden einer Fläche zum Blutsaugen.

Eine Zusammenfassung über mögliche Gefahren im Wald bietet das Informationsblatt „Augen auf im Wald! Gefahr erkannt – Gefahr gebannt“. Es kann zum Preis von 25 Cent pro Stück zuzüglich Porto bei der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, LV Bayern, Tel.: 089 – 284 394 bestellt werden. Das Infoblatt ist auch für Kinder geeignet.

Zahlreiche Informationen finden Sie im Internet, z.B. unter www.borreliose-bund.de, www.zecken.info, www.zeckenbiss-borreliose.de.

Quelle: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald

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