Liebe in Zeiten der Mobilität – Zur Aktualität Casanovas


8. April 2009 - 07:55 | von | Kategorie: Kultur | Artikel drucken
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Vortrag von Dr. Burkhard Brunn im Museumszentrum Lorsch (Nibelungenstraße 35, 64653 Lorsch) Mittwoch, 15.04., 18:30 Uhr.

Salz- und PfefferstreuerEin weiterer Höhepunkt des Begleitprogramms zur Sonderausstellung »Liebe, Lust und Frust« in der Volkskundlichen Sammlung im Museumszentrum Lorsch – einer Außenstelle des Hessischen Landesmuseums Darmstadt – ist der Vortrag »Liebe in Zeiten der Mobilität – Zur Aktualität Casanovas«. Der in Frankfurt am Main lebende Soziologe Dr. Burkhard Brunn veröffentlichte im Jahr 1998 Casanovas Lebenserinnerungen und brachte eine neue Sicht auf den berühmtesten Herzensbrecher der Literaturgeschichte.

Casanovas Lebenserinnerungen brachten die Bürger des Biedermeier so außer Fassung, dass sie glaubten, es könne sich nur um einen Roman handeln. Doch Giacomo Casanova (1725-1798) war nicht der zungenfertige Triebmensch, als den noch Stefan Zweig ihn charakterisiert. Nicht die unersättliche Gier nach wollüstigen Frauenkörpern (Zweig) trieb ihn von Ort zu Ort, sondern umgekehrt: er war einer der vielen Abenteurer des 18. Jahrhunderts, die sich durch die Welt schlugen, ohne auf die Liebe der Frauen verzichten zu können. Die teils freiwillige, teils erzwungene Mobilität in der Endphase des Feudalismus hat Ähnlichkeit mit der Mobilität unserer Tage, die wir mit der Globalisierung erleben. Der fortwährende Ortswechsel ist eine Bedingung, welche das bürgerliche Konzept von Liebe in Frage stellt.

Die Ausführungen Burkhard Brunns betrachten das Leben dieses Mannes als fundamentale Freiheit, in dem die Mobilität zwangsläufig die Zugehörigkeit zur Klasse der Maßgebenden darstellt, die soziologisch gesehen auch der Liebe Rechnung tragen muss.

Quelle & Bild: Hessisches Landesmuseum Darmstadt

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